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Wiener Blut - UNISONO.co.at

Volksoper

Kagler - Ein Mann rechnet ab

Sollten Sie jetzt das Gefühl haben, in einen Charles-Bronson-Film geraten zu sein, kann ich Sie beruhigen, obwohl Johann Strauß‘ Operette „Wiener Blut“, sicherlich auch der Titel eines in Wien spielenden Tatort-Krimis sein könnte. Die erste Premiere der Spielzeit 2011/2012 an der Volksoper Wien, steht ganz im Zeichen der vielen Melodien des Walzerkönigs.

Die erfreulicherweise äußerst zeitgemäße Inszenierung von
Thomas Enzinger, kombiniert mit dem sehr originellen Bühnenbild und den Kostümen von Toto, sind richtungsweisend, wie man Operette im 21. Jahrhundert publikumswirksam umsetzen muss. Die Geschichte, angesiedelt zur Zeit des Wiener Kongresses, handelt von den amourösen Abenteuern des Balduin Graf Zedlau (spitze trotz Verletzung Thomas Blondelle), seines Zeichens Botschafter des deutschen Kleinstaates Reuß-Greiz-Schleiz. Der ursprünglich spießige Graf, der von seiner Gattin Gabriele (gesanglich und darstellerisch erstklassig Kristiane Kaiser) wegen mangelndem Temperament verlassen wurde, entwickelt alle nötigen „Qualitäten“ eines typischen „Schlawi(e)ners“ und Schürzenjägers. Er hat es plötzlich! Das Wiener Blut!

Die Besetzung lässt keinerlei Wünsche offen. Thomas Blondelle als „Balduin Graf Zedlau“ singt strahlend und wunderschön. Kristiane Kaiser in der Rolle seiner Frau „Gabriele“, ist gesanglich und schauspielerisch einmal mehr ein Aushängeschild für die Volksoper. Frech und sexy als Probiermamsell „Pepi Pleininger“, spielt sich Renée Schüttengruber buchstäblich „die Seele aus dem Leib“. Keinesfalls unerwähnt sollten auch Boris Eder als gräflicher Kammerdiener „Josef“ und Sieglinde Feldhofer als Tänzerin „Franziska Cagliari“ bleiben, welche stimmlich und darstellerisch glänzen.

Komödiantisches Highlight ist das ungleiche Duell zwischen Carlo Hartmann als „Premierminister von Reuß-Greiz-Schleiz“ und Gerhard Ernst als „Fiaker“, welcher ersterem eine Lehrstunde in „verbaler Demütigung“ verpasst (Sadi und Masi lassen grüßen!). Und dann kam er! Die Rede ist von niemand geringerem als Volksopern-Neuling und Schauspiel-Vollprofi Wolfgang Böck in der Rolle des trinkfesten und wortgewaltigen Karussellbetreibers „Kagler“, der in einem Couplet eine beinharte Abrechnung mit den vornehmlich korrupten und charakterlosen Erscheinungen, einer hier nicht näher erwähnten Regierung, macht.

Fazit: Die durch das Dirigat von Alfred Eschwé perfekt abgerundete Produktion, bietet Operetten- und Kabarettgenuss vom Feinsten. Die Bearbeitung ist modern und spart nicht an Spott auf die Trends unserer Zeit. Bei den unverbesserlichen „Mascherl-Fans“ unter einigen Journalisten ultrakonservativer Tageszeitungen, wird diese Inszenierung aber nur wenig Beifall ernten. Aber wie heißt es so schön: „Alles hat ein Ende. Nur nicht die menschliche Dummheit!“ (pa)

Premiere: Spielzeit 2011/2012

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