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Viva la mamma - UNISONO.co.at

Volksoper

„Viva Rolando!“ - Villazóns Regie- Geniestreich an der Volksoper Wien

„Le convenienze ed inconvenienze teatrali“ (Auf Deutsch: Sitten und Unsitten der Leute vom Theater) ist der Sensationserfolg des beginnenden Jahres 2015 an der Volksoper Wien! Falls Sie so wie ich nicht zu den Menschen zählen, welche sich dem Diktat der Originalsprache verschrieben haben, hier der wesentlich sympathischere Titel: „Viva la Mamma“. Gaetano Donizettis Opera Buffa ist eine „Stück im Stück“-Posse auf höchstem musikalischen Niveau und ein wunderbarer Exerzierplatz für den wohl liebenswertesten und witzigsten Regisseur und Opernsänger Rolando Villazón!

Die Handlung: Ein in ständiger Geldnot befindliches Theater (Anm: Leider nichts Neues!), das auch noch mit den Befindlichkeiten seiner „Stars“ zurechtkommen muss. „Corilla“ (eine Megastimme Anja-Nina Bahrmann), welche mit bürgerlichen Namen eigentlich Cornelia heißt, ist eine echte Diva! Geltungssüchtig und stutenbissig will sie in der vom Theater aufgeführten Oper „Romulus und Ersilia“ alle anderen überspielen. Dass sich der Rest des Ensembles dies nicht kommentarlos bieten lassen will, ist vorprogrammiert! Und so haben „Luisa“ (hervorragend Julia Koci) als zweite Sängerin, „Dorothea“ (ausgezeichnete stimmliche und darstellerische Leistung Elvira Soukop), aber auch alle männlichen Ensemblemitglieder ihre rechte Not mit der gar nicht so vornehmen Primadonna.

Als Dorothea endgültig der Kragen platzt und sie die Rolle hinschmeißt, bietet sich „Mamma Agata“ (zum Zerkugeln komisch Martin Winkler) an, die nun verwaiste Partie zu übernehmen. Dass sie stimmlich damit restlos überfordert ist, stört die resolute alte Dame eigentlich überhaupt nicht. Auch hat sie im Vorfeld bereits massiv für die Interessen ihrer Tochter Luisa Partei ergriffen und sehr viel Unruhe in die Theatertruppe gebracht. Da wundert es auch niemand, dass Mamma Agata sich mittels zu veräußernder Juwelen ihre Besetzung käuflich sichert. Somit sind ausbleibende Subventionen und ein drohender Rausschmiss durch den „Theaterdirektor“ (sehr witzig Andreas Mitschke), kein Hindernis für Mamma Agatas Opernkarriere.

Rolando Villazón ist mit seinem Regie-Debüt an der Wiener Volksoper ein absoluter Wurf gelungen! Witzig und zeitgemäß versetzt er die Handlung, welche ursprünglich in Italien um 1830 spielt, in die Gegenwart, und verzichtet dabei auf keinen Gag. Selbstredend, dass „Star Wars“ mit vielen seiner Charaktere, wie zum Beispiel „Chewbacca“, „R2-D2“ und „imperiale Sturmtruppen“ nicht fehlen dürfen! Auch das nahezu penetrante Gendering, welches in den Medien immer wieder heiß diskutiert wird (Anm. d. Red.: Als ob es nichts Wichtigeres gäbe!), bekommt sein längst verdientes Fett ab!

Anja-Nina Bahrmann in der Rolle der „Corilla“ demonstriert ihre tolle gesangliche Bandbreite und Julia Koci als „Luisa“ steht ihr dabei um nichts nach! Daniel Ochoa als Corillas Ehemann „Stefano“ (eigentlich Stephan) spielt und singt seinen Part sehr überzeugend und lustig! Jörg Schneider als „Vladimir“, der erste Tenor, verleiht seiner Rolle durch seine traumhaft schöne Stimme und den sprachlichen Barrieren, welche er als Russe mimen muss, gesangliche und komödiantische Highlights! Und Martin Winkler als „Mamma Agata“ ist einfach nur eine rücksichtslose Attacke auf die Lachmuskeln der Zuschauer! Elvira Soukop als „Dorothea“, Günter Haumer als „Dirigent“, Marco Di Sapia als „Regisseur“ und Andreas Mitschke als „Theaterdirektor“ runden ein Spitzen-Ensemble ab!

Hervorzuheben sind auch das tolle Bühnenbild von Friedrich Despalmes, die originellen Kostüme von Susanne Hubrich sowie das erstklassige Dirigat von Kristiina Poska, die die wunderbare Musik von Gaetano Donizetti perfekt interpretiert!

Fazit: Ein absolut vergnügliches Opernerlebnis mit genialen Seitenhieben auf vermeintliche Trends und Modeerscheinungen. Würdig und professionell inszeniert durch eine Musikgröße wie Rolando Villazón, der auch hinter der Bühne demonstriert, wie viel Potenzial in ihm steckt. Die Conclusio, dass es nur am Theater chaotisch zugeht, wäre falsch. Aber der Beweis, dass der größte Feind der Frau die Frau ist, ist somit hundertprozentig erbracht! (pa)

Premiere: Spielzeit 2014/2015 Diesen Artikel als PDF

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