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Sona Ghazarian - UNISONO.co.at

Zur Person

„Music is joy and freedom!“

Es gibt in der deutschen Sprache immer wieder Wörter, die mir Unbehagen bereiten. Meistens sind diese Worte einfach nur dumm. Manchmal aber sind sie schlicht und einfach negativ belastet. Ein Paradebeispiel dafür ist das Wort „Diva“. Der ursprünglich aus dem lateinischen stammende Begriff „divus“ (göttlich), wird heute allgemein mit Frauen assoziiert, welche durch Allüren und Attitüden von sich reden machen. Umso angenehmer überrascht es mich da, wenn ein Weltstar der Opernszene das genaue Gegenteil davon ist.

Kammersängerin Sona Ghazarian lädt uns ganz zwanglos zu Snacks und Getränken zu sich nach Hause ein. Die in Beirut geborene armenisch-österreichische Künstlerin, die die Bezeichnung „Superstar“ als Beleidigung empfindet, besticht durch liebenswerte Natürlichkeit und Gastfreundschaft. Der Couch-Tisch im Wohnzimmer biegt sich vor diversen süßen und salzigen Köstlichkeiten. „Ich bin stolz darauf nicht emanzipiert zu sein!“ erklärt die Sängerin ihre hausfraulichen Qualitäten.

Nach der Volksschule kam die 4-sprachig (Armenisch, Englisch, Französisch, Arabisch) aufgewachsene Sängerin nach Österreich. Nach einer klassischen schulischen Ausbildung, absolvierte die Sopranistin und spätere Trägerin des goldenen Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse für Wissenschaft und Kunst der Republik Österreich ein Klavier- und Psychologie-Studium. Ihr Studium des Gesangs absolvierte sie in nur drei Jahren, und schloss dieses mit Auszeichnung ab. Ghazarian: „Ich mache keine halben Sachen und gebe immer 100 Prozent!“ Angesprochen auf ihr Studium der Psychologie, entgegnet die Sopranistin und zweifache Mutter: „Die Psychologie half mir im Umgang mit Menschen und bei der Kindererziehung.“

1970 gewann die junge Sopranistin dann den internationalen Gesangswettbewerb in ?s Hertogenbosch in den Niederlanden. 1972 folgte der nächste Preis: Beim internationale Gesangswettbewerb im Musikverein in Wien. Interessant dabei die Zusammensetzung der Jury: Elisabeth Schwarzkopf, Hilde Güden, Wilma Lipp, Gerda Scheyrer und Marcel Prawy. Der darauf folgende 3-Jahresvertrag an der Wiener Staatsoper, welchen Prawy ihr anbot, musste allerdings etwas warten: „Kann ich um Bedenkzeit bitten? Ich möchte meine Eltern fragen!“ Prawy willigte selbstverständlich ein.

Ghazarians Debüt an der Wiener Staatsoper, erfolgte noch im selben Jahr in Giuseppe Verdis Oper
„Der Maskenball“ („Un ballo in maschera“). Danach war die junge Sängerin, welche nach eigenen Worten ‚niemals nach anderer Leute Pfeife tanzt‘ nicht mehr zu bremsen. Sämtliche wichtigen Rollen ihres Faches - angefangen von der „Pamina“ in Mozarts „Zauberflöte“, über die Rolle der „Konstanze“ in der „Entführung aus dem Serail“, die „Gräfin“ in Mozarts Oper „Die Hochzeit des Figaro“, die „Donna Elvira“ in Mozarts „Don Giovanni“, die „Micaela“ in Bizets „Carmen“, die „Gilda“ in Verdis „Rigoletto“, die „Adina“ in Donizettis „Der Liebestrank“ („L’elisir d’amore“) bis hin zur Titelpartie in Verdis Oper „Luisa Miller“ oder der „Nedda“ in Leoncavallos Oper „Der Bajazzo“ - hat die Künstlerin im Laufe ihrer Karriere gesungen. Eine komplette Aufzählung aller gesungenen Partien, würde wahrscheinlich ein ganzes Buch füllen, da die Liste endlos ist!

Ebenso umfangreich ist die Liste der Dirigenten, mit denen die Sängerin zusammengearbeitet hat. Von Carlos Kleiber, über Ricardo Muti bis zu Sir Georg Solti (Mit ihm debütierte Ghazarian an der New Yorker Carnegie Hall.), spannt sich der Bogen der Künstlerin, die sich als bestes Beispiel dafür bezeichnet, in keine Norm zu passen.

1984 überreichte der Künstlerin, welche über das absolute Gehör verfügt, Staatsopern-Direktor
Egon Seefehlner die Ernennungsurkunde zur Kammersängerin. Als sie davor davon erfährt, rief sie nur erschrocken aus: „Aber Herr Direktor, ich bin doch noch nicht so alt!“

Die inzwischen 8-sprachige Künstlerin, die auf ihren Reisen rund um den Globus den Piloten kontrolliert, ob dieser richtig fliegt
(Anm. d. Red.: Eigendefinition mit einem Augenzwinkern!), hat zur Musik ein ganz persönliches, beinahe spirituelles Verhältnis. „Meine Seele muss bluten, wenn ich singe!“ kommentiert dies Ghazarian. Ebenso interessant ist ihre Erklärung des gesangstechnischen Begriffes der Koloratur: „Koloraturen singt man dann, wenn kein Wort mehr übrig ist.“

Und so vergehen die Stunden wie im Fluge. Die Künstlerin, welche von sich selbst sagt, dass ihre erste Premiere das „Mutter sein“ war, erzählt so viele spannende Geschichten und Anekdoten aus ihrem Leben, dass wir uns fragen, wozu Fersehen und Kino noch notwendig sind. „Music is joy and freedom!“ betont Ghazarian leidenschaftlich. Eine Aussage, die wie ein Buchtitel klingt. Aber wer weiß, vielleicht liest man sich demnächst.

Apropos demnächst: Am 16. August 2012 singt die Sängerin gemeinsam mit
Herbert Lippert bei der Kaiser Gala in Bad Ischl. Einem Melodienreigen mit Highlights aus der Operette und der perfekten Gelegenheit für ein Wiedersehen und Wiederhören, mit einer einzigartigen Persönlichkeit der Opernwelt! (pa)

Beitrag: Spielzeit 2011/2012

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