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Robert Körbler - UNISONO.co.at

Zur Person

„Mir san an da Front!“

Was wären wohl all die großen Künstler, sei es im Film, Fernsehen oder auf der Bühne, ohne die vielen kleinen „Helferlein“, welche sie schminken, kostümieren, den Text zuflüstern oder den Set bzw. die Bühne dekorieren? Sie sind die Stütze jeder Produktion, und es ist an der Zeit, diesen fleißigen und guten Geistern, respektvollen Dank zu zollen! Keineswegs uneigennützig! Denn so ein Requisiteur weiß oftmals mehr zu erzählen, als man glauben möchte!

So auch
Robert Körbler, der seit bald 28 Jahren an der Volksoper Wien, einer der für die Requisite verantwortlichen Mitarbeiter ist. Der ursprünglich gelernte Fotokaufmann, begann seine berufliche Laufbahn im Haus am Währinger Gürtel, am 08. Oktober 1984, mit einer von der Wiener Staatsoper übernommenen Produktion von Smetanas „Verkaufter Braut“. Seine Tätigkeit als Requisiteur, beschreibt Körbler als geduldige Feinarbeit, da fast jede Produktion über mehrere Tage vorbereitet wird. Angefangen von der Beleuchtungsprobe, bei der die Kulisse, die Statisten und die Platzhalter ins rechte Licht gerückt werden, oder die vielen kleinen und kleineren Handgriffe rund um Sektglas, Glühbirne & Co., sind arbeitsintensiv und nicht selten ein „Kampf“ mit dem Regisseur.

Körbler, welcher wie auch sein Vater und sein Bruder an der Volksoper Wien beschäftigt sind bzw. waren (der Vater ist bereits in Pension), kann sich da an viele Geschichten erinnern. „Eine Regisseurin, welche an der Volksoper die „Meistersinger“ und „Nabucco“ inszenierte, war ein derartiges Energiebündel! Die hätte am liebsten selbst mitgespielt!“ Über einen ehemaligen James-Bond-Bösewicht, der an der Volksoper bei Franz Lehárs Operette „Das Land des Lächelns“ Regie führte, weiß Körbler einiges zu berichten.

„Da die Probebühne noch nicht fertig war, begann die erste Probe in den Rosenhügel-Studios des ORF. Als dann eine für den Regisseur „unerlässliche“ vier Meter lange Fahne fehlte, musste ein Kollege das überdimensional große Requisit mit einem Spezial-Transporter quer durch ganz Wien chauffieren. Aber auch das für alle anderen Mitarbeiter und Ensemblemitglieder geltende Rauchverbot, musste für den einstigen „Bond-Schurken“ ausgesetzt werden. Feuerpolizeiliche Bedenken waren dem „Schwierigen“ dabei ziemlich wurscht, und so hatte während der gesamten Proben ein Feuerwehrmann mit einem Kübel Wasser anwesend zu sein. Am Schluss waren wir alle froh, dass wir es geschafft hatten!“

Dass es wichtig ist, in solchen kritischen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren, demonstrieren die vielen Hoppalas, welche über ein Vierteljahrhundert den Arbeitsalltag der Requisiteure säumen. Psychologie, Verständnis und Einfühlungsvermögen, sind also in derartigen Konfliktsituationen ein absolutes Muss.

Das hatte der junge Berufsanfänger schon zu Beginn lernen müssen. Gleich bei seiner ersten Produktion, bekam es Körbler mit den wohl schwierigsten „Stars“ zu tun, welche zwar kein Problem mit dem Rauchverbot hatten, dafür aber ihre Schließmuskeln nicht kontrollieren konnten: Tiere! Als ein Zirkuswagen in der
„Verkauften Braut“, der von einem echten Esel (!) gezogen wurde, sein „Geschäft“ seelenruhig auf der Bühne verrichtete, fiel nicht nur den Requisiteuren das Gesicht herunter. Der damalige Direktor war darüber so erbost, dass er fortan Requisiteure als Clowns verkleidet besagten Zirkuswagen ziehen ließ. Körbler erinnert sich noch heute daran: „Wir haben damals ernstlich überlegt, es dem Esel gleichzutun!“

Freilich weiß Körbler auch weniger unappetitliche Anekdoten zu erzählen. So mussten er und seine Kollegen, für Kammersänger Peter Minich sämtliche Requisiten vor den Proben und auch vor der Aufführung durchchecken, da dieser jedes noch so kleine Requisit (vom Sektglas bis zur Stehlampe), als Stichwortgeber für seinen Text benötigte. Da Minich irgendwann auswendig wusste, wo was zu stehen hatte, glich dieses Zeremoniell immer häufiger einer Prüfung. Körbler bezeichnet diese Zusammenarbeit als fantastisch aber hart!

Weniger hart, dafür aber umso lustiger, ist da schon die Erinnerung an eine Aufführung von Emmerich Kálmáns Operette
„Gräfin Mariza“. Während des Liedes „Komm mit nach Varasdin, so lange noch die Rosen blühen.“, standen Körbler und seine Kollegen seitlich hinter der Bühne, und flüsterten den Sängern folgenden „geringfügig“ abgeänderten Text zu: „Komm mit zur Waschmaschin‘, dort is mei Hosen drin“.

Bei solchen Streichen, will man unweigerlich mehr wissen. So erinnere ich Körbler an eine Inszenierung von Otto Nicolais Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“, welche im Herbst 2010 Premiere an der Volksoper hatte. In einer Szene treten einige Ensemblemitglieder mit einer nicht zu verbergenden Erektion unter ihrem Nachtgewand auf. Auf meine diesbezügliche Frage, ob die so dargebotenen „Begeisterungsknüppel“ echt oder „nur“ Requisite waren, antwortet mir Körbler mit einem breiten Grinsen: „Nein, nein! Wir haben so stramme Burschen!“

Trotz allem Spaß, lässt mein Gesprächspartner keinen Zweifel über die Ernsthaftigkeit seines Jobs aufkommen. Denn das Gelingen einer Aufführung oder neuen Produktion, ist nur verifizierbar, wenn alle am selben Strang ziehen. Das Aufgabengebiet von seinen Kollegen und sich, definiert er als Speerspitze, und fasst es nur kurz mit den Worten
„Mir san an da Front!“ zusammen.

Und so vergeht ein ganzer Nachmittag, mit vielen interessanten und lustigen Geschichten aus der Welt des Musiktheaters. Ich blicke auf meine Uhr und wundere mich, dass die Zeit so schnell vergangen ist. Viel zu schnell, wenn ich mir überlege, wie viel mein Gegenüber noch zu erzählen hätte. Nur das „Echtheitszertifikat“ über das kollektive „Nachtständerchen“, bleibt mir Robert Körbler schuldig. Aber ein bisschen „Mystery“ soll sein, und vielleicht gibt es bald eine neue Folge von „Akte X - Die unheimlichen Fälle des FBI“. (pa)

Beitrag: Spielzeit 2011/2012

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