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Martina Dorak - UNISONO.co.at

Zur Person

Die Sache mit dem „Fast-Playmate“

An einem weißen Sandstrand irgendwo auf einer karibischen Insel, rekelt sich nackt eine junge Frau in der gleißenden Sonne. Einzig und allein winzig kleine Schweißperlen glitzern im grellen Licht der Sonne auf dem perfekten Körper dieses übersinnlich schönen Wesens. Das Meer rauscht und aus nächster Nähe hört man das Klicken eines nervös auf den Auslöser seiner Kamera drückenden Fotografen. Zum Höhepunkt gelangt die Szenerie, als ein schwarzer Hengst herangaloppiert und die nackte Frau auf diesem in den Sonnenuntergang reitet. Unseren männlichen Lesern möchte ich an dieser Stelle ausrichten: „Aufgewacht! Und Hände aus dem Maschinenraum!“ Auch kann ich Sie versichern, dass Sie hier nicht die neueste Ausgabe des Playboy-Magazins lesen (Anm. d. Red.: Ein Hochglanzmagazin, das überwiegend wegen seiner anspruchsvollen Artikel gekauft wird.).

Aber was haben Herrenmagazine mit der Wiener Volksoper zu tun? Nun spätestens seit sich eine Ballerina der Wiener Staatsoper für den „Playboy“ ausgezogen hat, sollte mit verstaubter Prüderie Schluss sein. Denn wer hat, der hat! Und wer will, der soll! Martina Dorak zählt zu jenen Künstlerinnen, welche zwar über alle notwendigen Eigenschaften für ein Playmate verfügt, aber letztendlich ablehnte, als in den 1980er Jahren die legendäre Männerzeitschrift anfragte. Bereits während unseres Gespräches kann ich es mir nicht verkneifen, mein diesbezügliches Bedauern darüber zu äußern. Martina Dorak grinst mich daraufhin nur verschmitzt an.

Die zierliche Künstlerin, die bei so manchem männlichen Gegenüber nicht nur den Beschützerinstinkt weckt, begann ihre Karriere mit einer klassischen Ballettausbildung an der Wiener Staatsoper. Kaum zu glauben, dass sie bereits mit zehn bis elf Jahren,
„wie die Schweindeln auf die Waage“ (Anm.: Eigeninterpretation) musste. Denn wer zu Rundungen neigte, wurde permanent abgewogen. Mit süßen 16 Jahren nahm Dorak Sprechunterricht bei Prof. Susi Nicoletti. Es folgten Musical-Kurse in Anif bei Salzburg und eine Ausbildung im Bereich Schauspiel am Konservatorium der Stadt Wien in der Klasse von Prof. Elfriede Ott. Ihre Gesangsausbildung erhielt Dorak bei Prof. Gerhard Kahry von der Hochschule der Stadt Wien.

Ihr erstes Engagement hatte Dorak in der Premierenbesetzung des Musicals „Cats“ von Andrew Lloyd Webber. Es folgte die Rolle der „Cosette“ in Claude Michel Schönbergs Musical „Les Misèrables“ als Premiere am Wiener Raimundtheater. Apropos „Cats“: Als eine der wenigen Österreicherinnen im Ensemble, profitierte Dorak von ihrem choreografischen Wissen. Nichts desto trotz meldeten sich die verantwortlichen Produzenten erst eineinhalb Tage nach dem Vortanzen wieder. „This is the one we forgot“, war die lakonische Aussage, mit welcher Dorak zum Recall geladen wurde.

Nach einer Tournee mit der musikalischen Komödie „Das Feuerwerk“ von Paul Burkhard, wurde die junge Künstlerin auf Vorschlag von „Musical-Ikone“ Dagmar Koller und dem damaligen Oberspielleiter der Volksoper Wien Dr. Robert Herzl ans Haus am Währinger Gürtel geholt. Unter der Direktion von Eberhard Waechter debütierte Dorak als „Mabel Gibson“ in Emmerich Kálmáns Operette „Die Zirkusprinzessin“ an der Volksoper Wien, der sie seit 1992 als fixes Ensemblemitglied angehört.

Das weitere Rollen-Spektrum der vielseitigen Volksopern-Künstlerin, welche die „Alternativbesetzung“ (Anm. d. Red.: Zweite Besetzung.) gerne als den Unterschied zwischen „A-Hörnchen“ und „B-Hörnchen“ (Anm.: Eigendefinition „B-Hörnchen“ für die bessere Besetzung.) bezeichnet, liest sich wie ein gewaltiger Querschnitt durch die Welt des Musiktheaters. Ob als das „Klärchen“ in Ralph Benatzkys „Weißem Rößl“ (Anm.: Mit dem späteren Volksopern-Direktor Robert Meyer als „Sigismund“.), als „Eliza“ in „My Fair Lady“ (Anm.: Diese Partie spielte Dorak acht Jahre lang an der Seite von Michael Heltau!), als „Maria“ in Bernsteins „West Side Story“, als „Ännchen“ in Carl Maria von Webers „Der Freischütz“, als „Valencienne“ Franz Lehárs „Die lustige Witwe“, als „Frasquita“ in Bizets „Carmen“, als „Chirinos“ in Hans Werner Henzes Oper „Das Wundertheater“ oder als „Sylva Varescu“ in Kálmáns Operette „Die Csárdásfürstin“, konnte die fleißige und überaus begabte Sängerin ihr Volksopern-Publikum stets begeistern. Dies ganz besonders durch ihre authentische und liebenswerte Performance!

Martina Dorak, welche ich selbst gerne als bestes männliches „Kopfkino“ (Anm. d. Red.: Only adults - Frei gegeben erst ab 18 Jahren!) bezeichne, ist eben ein richtiges Mädchen mit den Attributen einer Lady. Frech und sexy erzählt sie mir alle möglichen Storys aus ihrem bewegten Bühnenleben, und meine Gedanken kreisen immer noch um ihre „beinahe Karriere“ als Covergirl im Playboy. Ihre grenzgeniale Mimik kommt auch während des Gesprächs nicht zu kurz. Fragt man die Künstlerin nach dem Thema „Männer“ und deren „Projektionen“, gesteht Dorak, welche auch schon fürs Fernsehen gearbeitet hat (unter anderem „Tatort“ mit Fritz Eckhardt), verschmitzt ein, schon Ziel männlicher Neugier und Fantasien gewesen zu sein.

Und wie verhält es sich mit der Eifersucht im Hause Dorak-Luftensteiner? „Na auf den Springer ist er schon eifersüchtig!“ Der Geschäftsführer der Bundestheater-Holding Dr. Georg Springer fragte sich - so Martina Dorak - immer wieder, warum sie den nunmehrigen künstlerischen Betriebsrat der Volksoper Wien Kammersänger Josef Luftensteiner geehelicht hat. Der reagierte darauf verständlicherweise verschnupft. Fragwürdig? Keineswegs! Hat doch Dorak schon als Teenager gewusst, wie man Männer um den Finger wickelt. „Ich hab mir die Schultasche oftmals von den Burschen heimtragen lassen.“

Martina Dorak ist also eine Frau, die verwerflich agiert? Na, natürlich nicht! Vielmehr sehe ich die einstige junge Ballettelevin vor mir, die zu einer absoluten Dame gereift ist. Herzenswarm und eine Frau, die den absoluten „Knuddelfaktor“ für sich (zu Recht) in Anspruch nehmen kann! Eine „Diva“ ist sie sicherlich nicht, aber eine junge Frau, welche sich optisch, wie charakterlich definiert hat. Ich für meinen Teil gehe ich jetzt bewusster in die Wiener Volksoper, wenn Dorak auf der Besetzungsliste steht. Tja, Martina Dorak ist eben ein Playmate! Wenn auch leider nur fast! (pa)

Beitrag: Spielzeit 2013/2014

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