UNISONO.co.at


Direkt zum Seiteninhalt

Kristiane Kaiser - UNISONO.co.at

Zur Person

„Lass uns Mathematik machen!“

Erinnern Sie sich eigentlich noch an Ihre Schulzeit? Zum Beispiel an den Mathematikunterricht? Was gab es da doch viele spannende Fragen zu klären und Probleme zu lösen! Beginnend beim Potenzrechnen, dem Wurzelziehen (Anm. d. Red.: Das hab ich immer am liebsten gemacht!) und der von mir sehr geschätzten Kurvendiskussion (Anm. d. Red.: Unter Kurvendiskussion versteht man in der Mathematik (!) die Untersuchung eines Graphen einer Funktion auf dessen geometrische Eigenschaften.). Wären zu meiner Schulzeit weniger männliche Spezies des klassischen Mathematik-Professors im Lehrkörper vertreten gewesen, und dafür mehr Pädagoginnen vom Schlag meiner nunmehrigen Gesprächspartnerin, hätte ich sicher so manche bessere Note bei einer Mathematik-Schularbeit bekommen. Wahrscheinlich aber auch so manche Eintragung ins Klassenbuch!

Kristiane Kaiser studierte tatsächlich ein Jahr Mathematik und Physik, bevor ihr Vater ein Musikstudium anregte. Die in Wien gebürtige Sängerin mit oberösterreichischen Wurzeln, stammt aus einer Familie musikalischer Amateure. Das schöne Salzkammergut prägte den ersten Kontakt der Künstlerin mit Musikinstrumenten, Hausmusik und der dort stark vertretenen Volksmusik. Kristiane Kaisers Großonkel (Prof. Otto Kaiser) hatte sogar einen Verlag, in dem er Volkslieder in Buchform herausgab. Selbstverständlich lernte die Sängerin auch Instrumente zu spielen. Neben dem Klavier, welches Kristiane Kaiser noch heute zum Einstudieren ihrer Rollen spielt, gehört auch noch die beinahe unvermeidliche Blockflöte zum instrumentalen Repertoire der jungen Künstlerin.

Nach der Matura an einem sprachlich ausgerichteten Mädchengymnasium, belegte die spätere Sopranistin dann die eingangs erwähnten Studienfächer der Mathematik und der Physik, wechselte nach einem Jahr aber, und studierte fortan Musik- und Gesangspädagogik. Diesen Gegenstand unterrichtete Kaiser dann auch von 1997 bis 1998 an einem Oberstufenrealgymnasium mit Schwerpunkt Musik. Parallel studierte Kaiser Gesang an der Musikhochschule Mozarteum Salzburg und der Universität für Musik in Wien. Ein prophezeiter Werdegang, wie mir Kaiser schmunzelnd erzählt. Denn die damaligen Wohnungsnachbarn ihrer Eltern hätten festgestellt, dass Kristiane schon als Baby so laut geschrien hätte, und aus ihr sicher eine Opernsängerin werden würde.

Gerne erinnert sich Kaiser an ihre Gesangsausbildung in der Klasse Lilowa (Anm. d. Red.: Kammersängerin Margarita Lilowa, bulgarisch-österreichische Opernsängerin, gest. am 13.04.2012 in Wien.). Prominente Klassenkameradinnen waren Genia Kühmeier und Daniela Fally. Ihr erstes Engagements bekam Kaiser 1999 als „Clorinda“ in Giochino Rossinins Opera buffa „La Cenerentola“ (Anm. d. Red.: Basierend auf dem Märchen vom Aschenputtel.) beim Klassik-Open-Air-Festival in Rheinsberg in Brandenburg. Weitere Karrierestationen der Preisträgerin des internationalen Hans-Gabor-Belvedere-Gesangswettbewerbs 2000 im Fach Operette (Anm. d. Red.: Und das ist nicht der einzige Preis, welchen Kaiser gewann!) waren die Rolle der „Konstanze“ in Mozarts Oper „Die Entführung aus dem Serail“ im Jahr 2000 bei den Opernsommerfestspielen in Klosterneuburg (Anm. d. Red.: 2001-2004 ebenfalls an der Semperoper in Dresden.), die Staatsopern von München, Berlin und Hamburg. Erwähnenswert sind auch die Opernhäuser in Frankfurt, Düsseldorf, Chemnitz und Zürich.

An der Volksoper Wien debütierte Kaiser 2001 als „Gabriele Gräfin Zedlau“ in der Johann-Strauß-Operette „Wiener Blut“. Fixes Ensemblemitglied des Hauses am Währinger Gürtel ist Kristiane Kaiser seit der Spielzeit 2004/2005. Und die Vielzahl ihrer Partien kann sich sehen und hören lassen. Ob als „Marie“ in Albert Lortzings komischer Oper „Zar und Zimmermann“, als „Gabriele“ in „Wiener Blut“, als „Laura“ in Carl Millöckers Operette „Der Bettelstudent“, als „Donna Anna“ in Mozarts Oper „Don Giovanni“ oder richtiger „Il dissoluto punito ossia il Don Giovanni“ (Deutsch: „Der bestrafte Wüstling oder Don Giovanni“.), als „Beatrice“ in Franz von Suppés komischer Oper „Boccacio“, als „Martha Engel“ in Wilhelm Kienzls Oper „Der Evangelimann“, als „Gräfin Almaviva“ in Mozarts Oper „Die Hochzeit des Figaro“, als „Antonia“ in Jacques Offenbachs fantastischer Oper „Hoffmanns Erzählungen“, als „Agathe“ in Carl Maria von Webers romantischer Oper „Der Freischütz“, als „Rosalinde“ in der „Fledermaus“, als „Micaela“ in Georges Bizets Oper „Carmen“, als „Pamina“ in Mozarts „Die Zauberflöte“, als Nixe „Rusalka“ in der gleichnamigen Oper von Antonin Dvorák, als „Violetta Valéry“ in Giuseppe Verdis „La Traviata“, als „Liù“ in Giacomo Pucinis „Turandot“ oder als „Konstanze“ in Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“, begeistert die Bandbreite der Künstlerin das Publikum der Wiener Volksoper immer wieder. In der Spielzeit 2012/2013 ist Kaiser unter anderem in einer Neuproduktion von Bedrich Smetanas komischer Oper „Die verkaufte Braut“ in der Rolle der „Marie“ zu sehen. Ebenfalls neu in dieser Saison ist die Partie der „Woglinde“ in Loriots (Vicco von Bülow) „Wagners RING an einem Abend“.

Ihre Lieblingsrolle, die Partie der „Violetta Valéry“ in „La Traviata“, welche Kaiser auch bei den Opernfestspielen in St. Margarethen im Römersteinbruch sang, erinnert die gertenschlanke Sängerin, deren größte Ängste auf der Bühne das Verlieren der Schuhe und das Platzen des Kostümes sind, dann auch an eine Probe zu „La Traviata“ eben dort. Zwecks Abkühlung und Stillung des Durstes, hatte Kaiser eine Flasche Wasser hinter der Bühne versteckt. Aufgrund der unglaublichen Sommerhitze, war der Inhalt am Ende der Vorstellung dann nur mehr „Tee“. Ein schönes Beispiel, wie strapaziös ein Künstlerleben sein kann!

Die Künstlerin, die wegen einer Rolle
(Anm. d. Red.: „Eugen Onegin“, Oper von Pjotr Iljitsch Tschaikowski.) sogar extra zwei Monate Russisch gelernt hat, hat aber auch zum leichteren Fach der Operette einen sehr guten Zugang, zumal Kaiser die Operette für sich schon bereits früh entdeckte. Auch findet sie den gesanglichen Anspruch des Genres, insbesondere bei den Werken von Lehár und Strauß sehr hoch!

Angesprochen auf die Freizügigkeit ihres männlichen Bühnenpartners in
„Rusalka“ (Anm. d. Red.: Dieser trat in einer Szene mit nacktem Oberkörper auf.), lacht Kristiane Kaiser schallend auf und meint dazu nur: „Also wenn sich die Männer auf der Bühne ausziehen, finde ich das völlig in Ordnung!“ Ich merke schon, dass die hübsche Künstlerin gerne und besonders herzlich lachen kann.

In ihrer Freizeit hat die Familie Vorrang. Kristiane Kaiser ist verheiratet und hat eine mittlerweile vierjährige Tochter mit dem hübschen Namen Ann-Sophie. Urlaub findet die Sängerin, welche früher viel Sport in ihrer Freizeit trieb, langweilig. „Spätestens nach einer Woche brauch ich ein Klavier“, erklärt mir Kaiser ihre Liebe zu ihrem Beruf. Sympathisch ist sie, diese „verhinderte Mathematik-Professorin“, und als unser Interview beendet ist, geht die charmante „Krebs“-Dame noch rasch für das Wochenende einkaufen. Ich hingegen überlege mir, ob ich mich noch schnell beim „Schul“-Direktor im Haus am Währinger Gürtel melden soll. Zwecks Nachsitzen bei der Frau Professor Kaiser! Der würde mir aber sicher darauf entgegnen: ‚Das könnte ihnen so passen, Herr Ankerl!‘ (pa)

Beitrag: Spielzeit 2012/2013

Start | Über uns | Volksoper | Staatsoper | Zur Person | Komponisten | Events | Film & TV | Thema | Reise | Galerie | Impressum | Sitemap


Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü