UNISONO.co.at


Direkt zum Seiteninhalt

Kiss me, Kate - UNISONO.co.at

Volksoper

www.popoklatsch.at

Falls Sie jetzt glauben, dass Sie hier etwas über die neuesten Bestrafungs-Portale im World Wide Web erfahren, muss ich Sie leider enttäuschen. Auch ist die oben angeführte Internet-Domain noch zu haben! Tatsächlich jedoch entführe ich Sie diesmal in die erotische Halbwelt des Spanking (Anm. d. Red.: Bezeichnet das Schlagen auf das bekleidete oder entblößte Gesäß, entweder mit der flachen Hand oder mit einem geeigneten Gegenstand.). Aber was hat Flagellantismus an der Wiener Volksoper verloren?

Cole Porters Erfolgs-Musical „Kiss me, Kate“, das auf einer literarischen Vorlage von William Shakespeare basiert, wird hoffentlich die nötige Erklärung zu meiner Einleitung liefern! Die zweite Premiere der Spielzeit 2012/2013 setzt ganz auf das rotzfreche Mit- und Gegeneinander der Geschlechter. Die Story über eine Theatertruppe, welche eine musikalische Version der Shakespeare-Komödie „Der Widerspenstigen Zähmung“ aufführt, wird allgemein als „Stück im Stück“ bezeichnet. „Fred Graham“ (Petrucchio) (spitze Andreas Lichtenberger) schickt seiner neuen Flamme, der Nachtclub-Schönheit „Lois Lane“ (Bianca) (hinreißend sexy Johanna Arrouas), einen Blumenstrauß. Der aber landet irrtümlich bei seiner „Ex“ „Lilli Vanessi“ (Kate) (gesanglich und darstellerisch toll Franziska Becker). Als die ihrem ehemals Angetrauten dahinterkommt, rächt sie sich mit allerlei Bösartigkeiten bis hin zum Teppichklopfer. Das freilich auch während der Aufführung des Theaterstückes! Als der Konflikt eskaliert, kommen Fred zwei Gangster (sensationell lustig Boris Eder und Herbert Steinböck) unerwartet zu Hilfe. Die beiden Ganoven konfrontieren Fred mit einem ungerechtfertigten Schuldschein. Wenn er nicht weiterspiele und die Einnahmen aus dem Kartenverkauf zurückgeben muss, werde man ihm „unschöne Dinge“ antun. Fred überredet Lilli nicht vorzeitig die Vorstellung abzubrechen, um ihm diese Ungemach zu ersparen. Als die beiden Ganoven ihre Absichten mittels „Engelmacher“ (Anm. d. Red.: Pistolen bzw. Revolver.) untermauern, willigt Lilli ein weiterzuspielen.

Die erstklassige und saukomische Inszenierung von Bernd Mottl macht den Künstlern hör- und sichtbar Spaß! Da wird an Frivolitäten, wie ungenierten Kicks in die Testikel (Anm. d. Red.: Au!), lasziver Anmache (Anm. d. Red.: Hierbei handelt es sich nicht um ungewollten Harnverlust!) bis hin zu Peitschen und der körperlichen Züchtigung von Franziska Beckers Sitzfleisch, kein Gag ausgelassen! Besonders witzig ist das Gestikulieren von Becker während des Liedes „Nur kein Mann!“. Der Einfall, die Künstlerin einen Dialog mit dem männlichen Publikum führen zu lassen, das auf Basis „Ich behalte dich im Auge!“, ist gleichermaßen originell und lustig!

Keinesfalls unerwähnt sollten die weiteren Darsteller bleiben! Robin Poell als „Bill Calhoun“ (Lucentio), Sándor Németh als „Harry Trevor“ (Baptista) oder Kurt Schreibmayer als „Harrison Howell“ runden diesen Musical-Event perfekt ab! Ebenso sind das Bühnenbild (Friedrich Eggert) und die Kostüme (Sue Blane) hervorzuheben, welche diese Produktion unter dem erstklassigen Dirigat von Lorenz C. Aichner zu einem absoluten Highlight machen.

Fazit: Diese Produktion von „Kiss me, Kate“ braucht den Vergleich zu früheren Inszenierungen sicherlich nicht fürchten! Wortwitz und Frivolität in Kombination mit jugendlichen Protagonisten, garantieren einen vergnüglichen Theaterbesuch. Und wer beim Anblick von körperlicher Züchtigung und Peitschen die Nase rümpft, sollte vielleicht in sich gehen. Denn moralische Entrüstung ist meist auch ein Anzeichen für latente Neigungen. (pa)

Premiere: Spielzeit 2012/2013

Start | Über uns | Volksoper | Staatsoper | Zur Person | Komponisten | Events | Film & TV | Thema | Reise | Galerie | Impressum | Sitemap


Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü