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Karl-Michael Ebner - UNISONO.co.at

Zur Person

Der kleine Teufel auf meiner Schulter

Kennen Sie eigentlich das Phänomen der „lachenden Augen“? Wenn man einem Menschen ins Gesicht blickt, und dieser lächelt oder grinst nicht, aber trotzdem erkennt man in seinen Augen ein - manchmal auch schelmisches - Lachen? Solche Menschen haben die „magische“ Fähigkeit, ihr Gegenüber sofort für sich einzunehmen. Ein derartiger Mensch ist Karl-Michael Ebner.

Als ich mich mit Herrn Ebner treffe, sitzt dieser bereits im Schanigarten
(Anm. d. Red.: Für unsere deutschen Leser: Gastgarten.) eines Kaffeehauses im 8. Wiener Gemeindebezirk. Der Künstler, der bereits mit so bedeutenden Dirigenten, wie Zubin Mehta zusammengearbeitet hat, besticht durch Coolness und Nonchalance. Da das Wetter unbeständig ist, verlegen wir unser Gespräch ins Lokal.

An seinem bodenständigen Wortwitz merke ich gleich, dass der am 07.03.1972 in Oberösterreich geborene Sänger kein Kind von Traurigkeit ist! Schon seit seinem siebenten Lebensjahr ist Karl-Michael „Charlie“ Ebner der Musik und dem Gesang verschrieben. Wie viele Sänger vor ihm, startete auch Ebner seine berufliche Laufbahn bei den Wiener Sängerknaben. Im Anschluss daran, wechselte er ins sogenannte „Mutantenheim“ (Anm. d. Red.: Allgemein gebräuchliche Definition für das weiterführende Musikgymnasium.). Danach studierte der angehende Tenor mit der Sprechstimme eines Baritons Oboe, Gesang und Dirigieren an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien. Ab 1990 nahm er Privatunterricht in Gesang bei Kammersängerin Gertrude Grob-Brandl und studierte Lied und Oratorium an der Bruckner Universität Linz.

Erste Auftritte erfolgten an der Bayerischen Staatsoper in München unter August Everding, als „Monostatos“ in Mozarts „Die Zauberflöte“. Ein Rollen-Debüt, dem er in weiterer Folge auch an der Volksoper Wien, der Wiener Staatsoper und dem Royal Opera House in Covent Garden in London, treu bleiben sollte. Internationale Engagements führten den Künstler bereits quer über den Erdball. Theater und Opernhäuser auf der ganzen Welt, wie zum Beispiel Monte Carlo, Dublin, Toulon, Hongkong, Peking, Sevilla oder Madrid, machen den Künstler zum Globetrotter in Sachen Musik.

An der Volksoper Wien liebt ihn das Publikum für viele Rollen. Egal ob als „Leonetto“ in Franz von Suppés Operette „Boccaccio“, als „Gastone“ in Verdis „La Traviata“, als „Pluto“ in Jacques Offenbachs Operette „Orpheus in der Unterwelt“, als „Remendado“ in Bizets Oper „Carmen“ oder als „Spoletta“ in Giacomo Puccinis Oper „Tosca“, begeistert Ebner das Publikum durch Stimmschönheit und Leichtfüßigkeit. In der Spielzeit 2011/12 erlebt man Ebner unter anderem als „Knirps“ in Henzes Oper „Das Wundertheater“, als „Spärlich“ in Otto Nicolais Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“, als „Gherardo“ in Puccinis Oper „Gianni Schicchi“ und natürlich als „Monostatos“ in der „Zauberflöte“.

Das über 60 Rollen umfassende Repertoire des Künstlers, ist aber bei weitem nicht das Einzige, was man über den frischgebackenen Vater einer knapp einjährigen Tochter mit Namen Alma-Marie erzählen kann. Seit 1995 ist Ebner Intendant des Musikfestivals in Steyr. Aber wie wird man als 22-jähriger „Rotzbua“ (Anm. d. Red.: Eigendefinition) Festspiel-Intendant? Dazu Ebner: „Die suchten den billigsten Anbieter. Nach Vorlage meines Finanzkonzepts, nahm man mich mit den Worten ‚Dasteht er’s, is guat! Dasteht er’s nicht, suach ma an andern!‘“ (Anm. d. Red.: Schafft er es, behalten wir ihn! Schafft er es nicht, suchen wir uns einen anderen!).

Und so begab es sich, dass der heute 40-jährige „Rotzbua“ so tolle Produktionen, wie beispielsweise „Tosca“ (Erste Produktion), „La Traviata“, „Der Mann von La Mancha“, „Les Misérables“, „Evita“ oder „Jesus Christ Superstar“ aufführen konnte. Besonders wichtig ist Ebner dabei die Tatsache, dass alle Produktionen nur mit geringen öffentlichen Mitteln finanziert werden. Ein finanzieller Kraftakt, dem ich als Herausgeber eines zu 100 Prozent durch Werbeeinschaltungen finanzierten Magazins, höchsten Respekt zolle!

Karl-Michael Ebner und seinem Team ist es gelungen, Sponsoren wie Schoeller Münzhandel, BMW, SKF, die Wiener Städtische Versicherung und die Oberösterreichische Sparkasse, für das Projekt Musikfestival Steyr begeistern zu können. Für den Sommer 2012 freuen wir uns auf Frederick Loewes Musical „My Fair Lady“. Besetzung und Regie lassen bereits jetzt keinerlei Wünsche offen! „Volksopern-Beauty“ Beate Ritter in der Rolle der „Eliza“, Peter Edelmann als „Professor Higgins“ und Kammersänger Josef Luftensteiner als „Oberst Pickering“, garantieren einen vergnüglichen Musical-Spaß im schönen Schloss Lamberg. Dies alles inszeniert durch ein „Urgestein“ der Musikgeschichte: Hannes Rossacher!

Ein derartiges Engagement für Kunst und Kultur, bleibt natürlich nicht ohne Würdigung! Doch der vom oberösterreichischen Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer 2002 verliehenen Titel Konsulent (Kons.), erheitert Ebner bis heute. Denn da dies ein „Alterstitel“ ist und er zum damaligen Zeitpunkt gerade einmal 30 Jahre jung war, entbehrte diese Verleihungszeremonie nicht einer gewissen Skurrilität.

Es ist halt genau diese lockere und offene Art, die den deklarierten Filmfan so sympathisch macht. Und auch da hat Ebner Berührungspunkte zur Musik:
„Was wär‘ a Horrorfilm ohne Musik? A fade Partie!“ Genauso aufgeschlossen ist Ebners Haltung zu anderen Musikrichtungen. Der eingeschworene Queen-Fan bewundert Freddy Mercury und würde sich eine solche Offenheit auch von anderen Künstlern beider Lager wünschen.

Als wir diese Themen besprechen, haben wir die ursprünglich vorgesehene Zeit lange überschritten. Aus dem förmlichen „Sie“, ist längst ein freundschaftliches „Du“ geworden. Somit überrascht es mich auch nicht, dass wir mittlerweile auf nonverbaler Ebene kommunizieren. So mancher Blick genügt, und ich habe verstanden. Dass nichts Gutes dabei rauskommt, wenn zwei solche „Lausbuben“ mittleren Alters zusammensitzen, versteht sich von selbst.

Daher ist es wenig verwunderlich, wenn ich plötzlich das Gefühl habe - ähnlich wie in einer TV-Sitcom - einen kleinen Engel auf der einen und einen kleinen Teufel auf der anderen Schulter sitzen zu haben. Und alle beide sehen aus wie Charlie Ebner! Nur, dass der kleine Teufel ständig Oberhand gewinnt. Ist Karl-Michael Ebner also der Teufel? Natürlich nicht! Sondern vielmehr ein Katalysator für Lausbubenstreiche und Unsinn. In jedem Fall aber ein toller Mensch und ein „höllisch“ liebevoller Vater!
(pa)

Beitrag: Spielzeit 2011/2012

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