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Josef Luftensteiner - UNISONO.co.at

Zur Person

„Sind sie noch frei?“

Wer weiß eigentlich heute schon, wie seine berufliche Zukunft verlaufen wird? Gibt es da eine höhere Macht, welche den Verlauf eine Karriere bestimmt? Wie viele selbst ernannte „Propheten“ sind in ihren Einschätzungen schon absolut danebengelegen! Wie zum Beispiel bei der, des späteren Kammersängers Josef Luftensteiner. Der am 23. Mai 1958 in Niederösterreich geborene Sohn einer Bauernfamilie, sang bereits mit fünf Jahren im Kreis seiner Großfamilie - Luftensteiner hat sechs Geschwister - Kärntner Lieder in mehreren Stimmlagen.

Wen wundert es da, als ihn seine Eltern kurzerhand zu den Wiener Sängerknaben schickten. Drei Wochen lang schrieb danach „Lufti“ - lange vor Fernsehformaten wie dem „Dschungelcamp“ - an seine Eltern Briefe, welche alle selben Inhalts waren: „Ich bin zwar kein Star, aber holt mich trotzdem hier raus!“ Nicht ahnend, dass die Direktion der Wiener Sängerknaben diese Briefe eben genau diese drei Wochen zurückhielten, und erst dann an die Eltern abschickte. Als Vater und Mutter Luftensteiner hernach ihren Filius aus der Schule holen wollten, dachte dieser nicht mehr daran diese Ausbildung abzubrechen.

Und so begann Josef Luftensteiner von 1968 bis 1973 seine musikalische Ausbildung bei den Wiener Sängerknaben. Erste Partien neben Heinz Holecek als „Erster Knabe“ in Mozarts „Zauberflöte“, Kantaten unter dem Dirigat von Nikolaus Harnoncourt, aber auch Auslandsauftritte, wie beispielsweise am Theatro Colon in Buenos Aires, wo er dank seiner schönen Sopranstimme die „Pamina“, die Partie der „Gretel“ und die des „Hänsel“ sang, markierten Luftensteiners erste Karriere-Etappen. Prominente Weggefährten, wie Edith Mathis und Peter Schreier, mit denen er an der Bayerischen Staatsoper in München erneut in der Rolle des „Ersten Knaben“ in der „Zauberflöte“ auftrat, runden die typische Laufbahn als Wiener Sängerknabe ab.

Nach dem Stimmbruch begann Luftensteiner ein Gesangsstudium am Konservatorium in Linz. Nach einem Vorsingen an der Musikhochschule in Wien, setzte Luftensteiner seine Ausbildung in der Bundeshauptstadt fort. Studienkollegin dort war niemand geringerer als die spätere Kammersängerin Edith Lienbacher, welcher er an der Wiener Volksoper wiederbegegnen sollte. Nach seinem Abschluss verschaffte ihm der damalige Künstleragent und spätere Staatsopern-Direktor Ioan Holender ein Vorsingen an der Grazer Oper. Seine erste Partie, der „Silvio“ im „Bajazzo“, konfrontierte den jungen Sänger auch erstmals mit der in Journalistenkreisen so oft praktizierten „Freude am Verriss“. Die künftigen Erfolge noch nicht ahnend, bereitet dem heutigen Kammersänger diese Erinnerung späte Genugtuung.

Richtungsweisend für seinen weiteren beruflichen Werdegang, war 1985 ein Vorsingen an der Wiener Volksoper. Der damalige designierte Volksopern-Direktor
Eberhard Waechter, ließ Luftensteiner nicht die von ihm vorbereiteten Arien singen, sondern bestand auf „Valentins Gebet“ aus „Faust“ sowie die Rolle des „Wildschütz-Graf“. Wenig begeistert sang Luftensteiner die geforderten Partien, in der Annahme, dass ihm diese keine Engagement eintragen würden. Mit den Worten „Sind sie noch frei?“, war der Weg in die Volksoper dann doch vorgegeben.

Bevor Luftensteiner am 01. September 1987 fixes Ensemblemitglied der Volksoper wurde, erinnert sich der nunmehrige künstlerische Betriebsrat des Hauses am Währinger Gürtel, auch an Stationen, welche erst aus heutiger Sicht für Lacher sorgen. Wie zum Beispiel an einen Auftritt bei den Wiener Festwochen, bei dem ein Textpatzer von Luftensteiner und Edith Lienbacher, der einen Lachanfall zur Folge hatte, die übertragenden Regisseure und Kameraleute zur Verzweiflung brachte. „Es Lachwurzen, schleicht’s euch von der Bühne!“ war der wenig charmante Ausruf, mit dem das Duett ein abruptes, vorläufiges Ende fand.

Es folgten viele Partien, wie der „Figaro“, „Papageno“ in der „Zauberflöte“, der „General“ in „La Perichole“, der „Josef“ in „Wiener Blut“ und der „Gefängnisdirektor Frank“ in der „Fledermaus“. Weitere Rollen folgten in Operetten, wie der „Csárdásfürstin“, „Gasparone“ der „Nacht in Venedig“ und im „Land des Lächelns“.

Neben seiner künstlerischen Tätigkeit an der Volksoper Wien, ist Josef Luftensteiner Mitbegründer des Musikfestivals Langenlois, Urheberrechtsvertreter sowie Chefverhandler in Sachen Medien und Fernsehübertragungen seines Hauses. Als künstlerischem Betriebsrat - eine Funktion, welche Luftensteiner seit 2001 ausübt - kommt ihm seine Fähigkeit sich in andere Leute hineinversetzen zu können, immer wieder zu Gute. Trotz der oft markigen Sprüche und dem entschiedenen Auftreten, hat der Sänger immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Probleme seiner Kolleginnen und Kollegen.

Privat ist der, seit 2009 in zweiter Ehe mit Volksopern-Sängerin Martina Dorak verheiratete Künstler, der Natur verbunden und pflegt abends - so es der dicht gedrängte Terminplan zulässt - gemeinsam mit seiner Frau die Liebe zu Richard Strauss. Der Wiener Volksoper fühlt sich Luftensteiner zu großem Dank verpflichtet. Eine Tatsache, die seine Loyalität und sein Credo, das Haus „mit Zähnen und Klauen“ zu verteidigen, erklärt. Und was die anfangs erwähnten „Prophezeihungen“ über seinen künstlerische Zukunft anbelangen, hat er diese mehr als glaubhaft widerlegt. (pa)

Beitrag: Spielzeit 2010/2011

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