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Jörg Schneider - UNISONO.co.at

Zur Person

Interview mit einem Barbier

Glaubt man der Beschreibung des Online-Lexikons Wikipedia, so war der Barbier im Mittelalter und der beginnenden Neuzeit nicht nur für die Pflege der Bärte und Haare seiner männlichen Klienten zuständig, sondern auch für Zahnextraktion, Aderlass und Klistiere (Anm. d. Red.: Medizinischer Eingang durch einen Ausgang.). In der heutigen Zeit bezeichnet man diesen Berufsstand gemein hin als Friseur, wobei eine Geschlechtertrennung und medizinische Eingriffe der Vergangenheit angehören. Im Allgemeinen findet man Friseure oder Hairstylisten bei Theatern hinter der Bühne beziehungsweise in der Nähe von Schminktischen. Nicht so bei meinem nunmehrigen Gesprächspartner.

Jörg Schneider machte nach seinen ersten künstlerischen Erfahrungen bei den Wiener Sängerknaben, als Erstes eine „anständige“ Berufsausbildung als Friseur (Herren und Damen) bei zwei Wiener Nobelcoiffeuren. „Ich dachte mir damals, das sei ein künstlerischer Beruf“, rechtfertigt Schneider heute seine damalige Berufsplanung. Mit 17 Jahren absolvierte Schneider dann ein Gesangsstudium bei Prof. Elfriede Obrowsky in Wien. Auch sein „Dienst an der Waffe“ fiel für den gebürtigen Welser musikalisch aus. Zwar ist bekannt, dass man beim Gardebataillon „g’wehrbrackn (Anm. d. Red.: Das Gewehr schultern.) muss, aber wenn man das Glück hat eine tolle Gesangsstimme zu haben, rückt man schon mal zur Gardemusik ein. Noch heute macht Schneider gemeinsam mit Oberst Prof. Mag. Hans Schadenbauer Ziehrer-Aufnahmen (Anm. d. Red.: Carl Michael Ziehrer, österreichischer Komponist.).

Erste Engagements hatte der junge Tenor im Arnold-Schönberg-Chor und im Chor der Wiener Staatsoper. Als Solist führten Schneider seine beruflichen Wege zunächst zu unseren deutschen Nachbarn. 1995 wurde Schneider Mitglied des Staatstheaters Wiesbaden, wo er unter anderem in Albert Lortzings komischer Oper „Zar und Zimmermann“ oder in Gioachino Rossinis Opera buffa (Anm. d. Red.: Komische Oper.) „La Cenerentola“ zu sehen und zu hören war.

Von 1997 bis 2000 gehörte er dem Ensemble der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf an. Bereits dort trat er in vielen wichtigen Partien der Operngeschichte auf, wie zum Beispiel als „Tamino“ in Mozarts
„Die Zauberflöte“, als „Graf Almaviva“ in Rossinis Oper „Der Barbier von Sevilla“ oder als „Ernesto“ in Gaetano Donizettis Opera buffa „Don Pasquale“. Mit diesen und anderen Rollen gastierte Schneider dann auch europaweit an Opernhäusern, wie beispielsweise der Deutschen Oper Berlin, der Staatsoper Stuttgart oder dem Teatro Bellini di Catania. Weitere Stationen von Schneider waren Florenz, Rom, Paris oder New York.

Während der Jahre 2000 bis 2007 war Schneider als Freelancer tätig. In dieser Zeit trat der Künstler, der Gesang auch gerne als Tätigkeit „an der Grenze zum Hochleistungssport“ bezeichnet, ein beeindruckendes Lied- und Konzertrepertroire hat und mit Dirigenten, wie Dennis Russel Davies, Edo de Waart, Semyon Bychkow, Zubin Mehta oder Ricardo Muti zusammenarbeitete, in Österreich (Musikverein, Konzerthaus), Deutschland, Italien (Debüt an der Mailänder Scala bereits 1997/98 in Felix Mendelsohn-Bartholdys weltlicher Kantate für Soli, Chor und Orchester „Walpurgisnacht“.), den Niederlanden (Concertgebouw Amsterdam) und der Schweiz auf.

Das Aufzählen seiner Partien an der Volksoper Wien (Debüt 2005/06 als „Alfred“ in „Die Fledermaus“.), welcher er seit 2007 als fixes Ensemblemitglied angehört, ist da zwar etwas weniger musikwissenschaftlich, aber nicht minder umfassend! In jedem Fall erwähnenswert sind da der „Tamino“ in „Die Zauberflöte“, der „Gonzalvo“ in Maurice Ravels Oper „Die spanische Stunde“, der „Graf Almaviva“ in Rossinis „Der Barbier von Sevilla“, der „Mauleselmann“ in Carl Orffs Oper „Die Kluge“, der „Siegfried“ Oscar Straus‘ burlesker Operette „Die lustigen Nibelungen“, der „Brighella“ in Richard Strauss‘ Oper „Ariadne auf Naxos“ oder der „Graf Stanislaus“ in Carl Zellers Operette „Der Vogelhändler“. In der Spielzeit 2011/2012 war Jörg Schneider ebenfalls als „Narraboth“ in der Richard-Strauss-Oper „Salome“, als „Chanfalla“ in Hans Werner Henzes Oper „Das Wundertheater“ oder als Sänger in der Tenorpartie des Balletts „Carmina Burana“ (um nur einige Rollen zu nennen) zu bewundern. Für die Saison 2012/2013 dürfen wir uns zusätzlich auf Paul Linckes Operette „Frau Luna“ freuen, wo er den „Prinz Sternschnuppe“ spielen wird.

Auf die Frage mit wem Schneider am liebsten zusammenarbeitet, entgegnet einem der stets gut gelaunte Sänger, dass er mit jedem gut zurechtkommt. Schneider, der es nach eigenen Worten „geil“ findet, wenn ihn das Publikum nach einer Vorstellung beim Bühneneingang erwartet, ist generell kein Kind von Traurigkeit. „Als einem Kollegen in Düsseldorf bei einer Aufführung von Rossinis „La Cenerentola“ seine provisorische Zahnprothese aus dem Mund fiel, und die Beißerchen dann über den roten Teppich hüpften, war das schon sehr lustig! Außer für den armen Kollegen natürlich!“

Aber auch über sich selbst kann der Künstler lachen.
„Während einer Aufführung der „Fledermaus“ musste ich in meiner Rolle als „Eisenstein“ Liegestütze machen. Nach zirka 20 Liegestützen und einem Publikum, das mich unablässig applaudierend anfeuerte, blieb mir nichts anderes übrig als wieder aufzustehen. Die begeisterten Zuschauer konnte ich nur mehr vertrösten: ‚Na jetzt kommt’s Leuteln, ich muss auch noch singen!‘“

Privat ist Jörg Schneider seit 18 Jahren glücklich verheiratet und hat eine knapp dreijährige Tochter mit dem hübschen Namen Anna-Sophie. Der Tenor, der mehrmals wöchentlich in der Kraftkammer seinen überschüssigen Kilos erfolgreich zu Leibe rückt, weiß auch wenig mit dem Thema „Eifersucht“ anzufangen. „Was wir auf der Bühne schon Körperflüssigkeiten ausgetauscht haben … (Anm.: Anspucken beim Singen.)!“

Überhaupt nimmt die Familie den größten Stellenwert im Leben des Sängers ein.
„Durch die Geburt meiner Tochter haben sich Gastspiele stark reduziert. Tja, man kann sagen, dass ich nach 13 Jahren sesshaft geworden bin“, merkt dies Schneider keinesfalls betrübt an. Zu seinen Freizeitaktivitäten zählen neben Sport auch Filme, wobei es sich der Künstler da lieber im heimatlichen Triestingtal in Niederösterreich vor dem Fernseher gemütlich macht. Na ja, wozu gibt’s DVDs? Auf meine Frage, ob der bekennende Computer- und Technikfreak in seinem Leben etwas vermisst, antwortet mir Jörg Schneider nur lapidar: „Na eine LAN-Party (Anm. d. Red.: Das gemeinsame Spielen über mindestens zwei miteinander vernetzte Computer.) mit meiner Frau Andrea!“ Also ran an den Joystick, Jörg! It’s your „Need for Speed“! (pa)

Beitrag: Spielzeit 2012/2013

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