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Jesus Christ Superstar - UNISONO.co.at

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Jesus Christ Superstar - Eine Musteraufführung der Bühne Baden

Nach dem fulminanten Erfolg in der vorigen Saison steht nun die Produktion von „Jesus Christ Superstar“ im Stadttheater Baden wieder auf dem Spielplan.

Als 1971 der damals noch unbekannte 23-jährige
Andrew Lloyd Webber gemeinsam mit Tim Rice die wohl fulminanteste Rockoper aller Zeiten in New York herausbrachte, wurde dieses Werk trotz des Widerstandes christlicher Gruppen zum Welterfolg. Die etwas freie Interpretation der Bibelerzählung der letzten sieben Tage Jesu führte beispielweise zum Verbot des Werkes in Südafrika, während sogar Radio Vatikan die Aufführung übertrug. Bereits 1973 erfolgte die Verfilmung, die mit 6 Golden Globes ausgezeichnet wurde, aber wiederum heftige Diskussionen in religiösen Kreisen provozierte. Auch heute ist die Aufregung noch nicht abgeklungen, erst 2012 wurde die Aufführung des Musicals aufgrund zahlreicher Proteste orthodoxer Gläubiger in Weißrussland verboten.

Wie gesagt, erzählt wird die Passionsgeschichte vom Einzug in Jerusalem bis zum Tod Jesu am Kreuz. Jesus ist nicht mehr „nur“ der Messias, er wird von seinen Anhängern als Superstar verehrt. Judas beobachtet mit wachsender Sorge, wie sich die Bewegung um Jesus mehr und mehr von einer humanitären Mission zu einem fanatischen Personenkult hochschaukelt. Außerdem missfällt ihm Jesus Freundschaft mit der Prostituierten Maria Magdalena. Er warnt Jesus in dem Song „Heaven on their minds“, dass dieser Hype um ihn,sie alle ins Verderben stürzen wird. Judas kann Jesus jedoch nicht dazu bringen, wieder zur ursprünglichen Idee seiner Bewegung zurückzukehren. Da vertraut er sich den jüdischen Hohepriestern,an in der Hoffnung, damit eine Katastrophe abwenden zu können. Diese befürchten jedoch einen Volksaufstand, den sie verhindern wollen, indem sie Jesus ermorden.

Nach „Hair“, einem Meilenstein der Popkultur in den späten 1960er Jahren, stellt „Jesus Christ Superstar“ eine weitere Entwicklung des Rock-Musicals dar, die aber mehr den Erwartungen der Theaterbesucher und dem Zeitgeist der 70er Jahre angepasst worden ist. Die Jugend jener Zeit war von einer regelrechten Jesus-Welle erfasst. In den 60er Jahren entstand an der amerikanischen Westküste aus der Hippie-Bewegung heraus mit den „Jesus People“ eine christliche Gruppierung, die sich schließlich auf Nordamerika und Europa ausweitete und 1971/72 ihren Höhepunkt erreichte. Den Gottessohn, der ihre Sprache spricht, fanden die Hippies der Nach-Woodstock-Generation im rockigen Musical von Webber und Rice.

Es ist hier nicht der Platz, im Detail auf die Entstehungsgeschichte dieses Werkes einzugehen. Wir wollen uns mit der Feststellung begnügen, dass die Musik von Webber die unterschiedlichsten Stilrichtungen umfasst. Showsongs, Folkballaden, Soul, Blues, choralartige Gesänge und Rock- und Popmusik vermischen sich zu einem opulenten Hörgenuss, der niemanden kalt lässt. Hits wie „I Don’t Know How To Love Him“, „Gethsemane“ und „Superstar“ zählen seit der Uraufführung zu den unvergesslichen Songs dieses Meisterwerkes, die eine ganze Generation prägten.

Robert Herzl zeigt uns eine durchaus moderne und der heutigen Zeit entsprechende Inszenierung, die neben eindrucksvollen Ensembleszenen auch knallige Showelemente im Stil der 80er Jahre bietet. Mit der Jazz-Dance-Nummer „Superstar“ in goldenen Fracks kommt sogar ein Hauch von Las Vegas auf.

Unter der musikalischen Leitung seines Chefdirigenten Franz Josef Breznik bietet das Orchester der Bühne Baden einen fulminanten Hörgenuss. Es wird nämlich die Fassung mit großem Orchester gespielt, was ja eher selten der Fall ist und deshalb kommt hier die Dramatik der Musik besonders eindrucksvoll zur Geltung.

Die Ausstattung stammt von
Pantelis Dessyllas. Auf Podesten links und rechts auf der Bühne sitzen die Musiker und eine große Holztüre schließt den mittleren Bühnenbereich ab, deren Öffnen und Schließen effektvolle szenische Eindrücke vermittelt. Durch den Wegfall des trennende Orchestergrabens reicht die Bühnenfläche weit in den Zuschauerraum und auch die an die Bühne angrenzenden Logen werden in das Spiel mit einbezogen. Besonders bei den Tanzszenen in der schwungvollen Choreografie von Michael Kropf ergeben sich dadurch mitreißende Momente.

Darius Merstein MacLeod in der Rolle des „Jesus“ bietet musikalisch wie schauspielerisch eine eindrucksvolle Darstellung des Gottessohnes, seines Leidens am Unverständnis der Menschen für seine Mission und seiner Enttäuschung über den Verrat durch Judas. Chris Murray als „Judas“ ist der ideale Widerpart. Gesanglich meistert er die anspruchsvolle Partie mit teilweise bewusst eingesetzter sich überschlagender Stimme hervorragend und auch durch seine intensive schauspielerische Leistung fesselt er die Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute. Karin Seyfried als „Maria Magdalen“ bietet eine gesanglich starke Leistung, das Liebesverhältnis zu Jesus wird jedoch nur dezent angedeutet. Mit „Pontius Pilatus“ bietet Erwin Windegger sowohl gesanglich wie auch schauspielerisch eine eindrucksvolle dramatische Studie. ist ein würdiger „Hohepriester Kaiphas“, hervorragend auch Beppo Binder als „Annas“, ebenso wie Stefan Bleiberschnig als „Petrus“ und Thomas Markus als „Herodes“. Markus Neugebauer als „Simon“ überzeugt besonders bei seinem Solo „Simon Zelotes“. Pauschal seien noch die übrigen Mitwirkenden erwähnt, die als Priester, Apostel und Soul-Girls und Ballett den erforderlichen Hintergrund für die Solisten bieten. (zdi)

Beitrag: August 2014

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