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Il trovatore - UNISONO.co.at

Volksoper

„Mein ist die Rache!“

Kennen Sie eigentlich den Spruch „Gott kennt Gnade! Ich nicht!“? Oder „Rache wird am besten eiskalt serviert!“? Aber warum rächt sich ein Mensch? Was muss in einem Menschen vorgehen, dass jedwede Versöhnung ausgeschlossen ist? Oft sind es Neid und Missgunst, die böses Blut ergeben. Die beiden boshaften Schwestern „Verleumdung“ und „Intrige“ sind meist die Brandstifter, welche Ursachen für Rachegelüste aufkommen lassen. Bei Verbrechen stellt dann die Vendetta (Anm.: Blutrache.) die Ultima Ratio der Konfliktbewältigung dar. In jedem Fall ist die Rache eine Schuld, welche fast immer beglichen wird. Auch, wenn der Anlass dazu schon Jahre lang zurückliegt. Denn dieser „Baum“ trägt reichlich Früchte! Sie reifen mit den Jahren und man muss nur kräftig daran rütteln!

Die mit Spannung erwartete Premiere von Giuseppe Verdis Musikdrama „Il trovatore“ („Der Troubadour“) an der Wiener Volksoper, war dann der „rachegeladene“ Opernauftakt der Spielzeit 2013/2014. Die Handlung der von Verdi vor über 160 Jahren uraufgeführten Oper, ist gleichsam opulentes Actionkino auf der Bühne und eine musikalische Hitparade der schönsten Melodien dieses Großmeisters der Musik! „Manrico“ der „Trovatore“ (hervorragend Stuart Neill) ist in eine Hofdame (super Melba Ramos als „Leonora“) verliebt. Ebenfalls um Leonora buhlt der „Graf Luna“ (erstklassig Tito You) um die Schöne. Was Manrico nicht weiß ist, dass sein Konkurrent sein eigener Bruder ist. Der „Trovatore“, welcher dereinst von der Zigeunerin „Azucena“ (genial eingesprungen Chariklia Mavropoulou) aus Rache an ihrer auf dem Scheiterhaufen verbrannten Mutter entführt und als ihr eigener Sohn großgezogen wurde, kämpft nun mit seinem leiblichen Bruder um Leonora. Da Manrico das Duell gewinnt und den Grafen Luna am Leben lässt, glaubt Leonora, dass ihr geliebter Troubadour nun tot sei und geht daraufhin ins Kloster (Anm. d. Red.: Das waren halt noch Zeiten! Heute trösten sich die Damen der Schöpfung beim Shopping oder machen eine Kreuzfahrt!).

Als Manrico Leonora aus dem Kloster befreit und sich gemeinsam mit seiner Angebeteten in einer Burg verschanzt, nimmt der eifersüchtige Graf Luna Manricos Mutter gefangen. Der „Troubadour“ schwört darauf seine Mutter zu befreien. Doch diesmal verliert Manrico gegen seinen Nebenbuhler. Luna, der beide (Manrico und Azucena) gefangengenommen hat, gibt diese nur dann frei, wenn Leonora ihm dafür die Liebe schwört. Leonora stimmt dem Deal zu, nimmt aber heimlich Gift. Als sie Manrico und seine Mutter befreit, fleht sie ihn an zu fliehen. Vergeblich! Der vermeintlich betrogene Geliebte fordert Leonora nochmals auf ihn zu begleiten. Doch da liegt Leonora bereits im Sterben. Nun lässt Luna Manrico hinrichten und meint einen Triumph errungen zu haben. Azucena aber klärt den Grafen auf: „Er war dein Bruder!“ Die Zigeunerin Azucena hat ihre Mutter gerächt!

Die ursprünglich um das Jahr 1409 spielende Handlung wurde von Regisseur Dietrich W. Hilsdorf in das beginnende 20. Jahrhundert verlegt. Brennende Fackeln und Metalltonnen geben der sehr gelungenen Inszenierung zusätzlich Straßenkampfflair. Das Bühnenbild von Dieter Richter ist einerseits hell, zeigt aber sehr düster die gesellschaftlichen Gegensätze, welche es nicht nur im ausklingenden Mittelalter gab!

Stuart Neill ist gesanglich und darstellerisch fulminant besetzt, und kann sich gegenüber der wuchtigen Musik Verdis sehr gut behaupten. Melba Ramos als „Leonora“ glänzt in ihrer Partie als umkämpfte Hofdame und Tito You ist ein ausgezeichneter „Graf Luna“. Nicht zu vergessen Chariklia Mavropoulou, welche für die erkrankte Janina Baechle eingesprungen ist und betörend schön singt! Ein besonderes Lob gilt abermals dem Chor der Volksoper Wien, der für ein Musikspektakel dieser Art mehr als prädestiniert ist.

Fazit: Das lang ersehnte Begehren jedes Verdi-Verrückten (Anm.: Ich zähle mich da auch dazu!) ist endlich gestillt worden und ein Pflichtwerk jedes Opernhauses hat in der Wiener Volksoper wieder einen fixen Platz im Repertoire. Das einzige „Haar in der Suppe“ werden wohl wieder die Suderanten (Anm.: Nörgler.) sein, welche erst glücklich sind, wenn sie selbiges gefunden haben. Da hilft dann nur mehr eine ordentliche Tracht Henze (Anm.: Hans Werner Henze, Komponist.), um eine tolle Produktion wieder richtig schätzen zu lernen. (pa)

Premiere: Spielzeit 2013/2014

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