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Herbert Lippert - UNISONO.co.at

Zur Person

„Nein danke, Herr Direktor!“

Wissen Sie, was ich an einem Menschen am meisten bewundere? Mut! Den Mut etwas zu sagen, wo andere den Schwanz einziehen und kuschen! Es zeugt von Charakter und Größe, wenn man sich nicht alles gefallen lässt und nicht erst hinterrücks „austeilt“. In unserer heutigen Zeit ist es nahezu ein Volkssport, mit Klappsessel und Hängematte im Allerwertesten des Vorgesetzten zu kampieren. Tja, es braucht halt Cojones, dem Chef nicht immer nach dem Mund zu reden. Über solche verfügt auch mein Gesprächspartner. Aber dazu später.

Er ist sicher kein „Rambo“ oder „Terminator“, sondern das, was man in Wien einen „G’raden Michel“ nennt. Der Tenor
Herbert Lippert, geboren am 07. Oktober 1957, lernte bereits in frühester Jugend selbstständig zu sein. Ein Umstand, der wie er selbst sagt, auf sein „zerklüftetes Elternhaus“ zurückzuführen ist. Als Wiener Sängerknabe lernte er schon früh, die große weite Welt kennen. Städte wie Buenos Aires, Sydney und New York waren die ersten Stationen von Lippert. Keineswegs unbekannte Weggefährten, der bereits damals robusten Frohnatur, waren unter anderem Kammersänger Josef Luftensteiner.

Nach seiner Zeit bei den Wiener Sängerknaben und der Matura, studierte Lippert Malerei und Musikpädagogik. Als er nach einiger Zeit merkte, dass das Unterrichten nicht sein Fall war (Lippert unterrichtete in Vöcklabruck und Wels Musikerziehung und Bildnerische Erziehung), begann Lippert 1984 sein Studium der Oper. Sehr viel verdankt der Künstler seiner Mentorin Gerda Scheyrer, welche den angehenden Sänger bei einem Vorsingen mit den Worten „Den nehm‘ ich!“ auswählte.

Sein erstes Engagement folgte auch schon 1985 an der Wiener Staatsoper, wo er eine kleine Partie als „Diener“ in Verdis
„La Traviata“ bekam. Nach einem kurzen Abstecher ans Stadttheater Lübeck, folgte von 1990 bis 1995 ein fixes Engagement an der Wiener Staatsoper. Zu den wichtigsten Partien des lyrischen Tenors während dieser Zeit, zählten die Rolle des „Tamino“ in Mozarts „Zauberflöte“, der „Ottavio“ in „Don Giovanni“, der „Belmonte“ in der „Entführung aus dem Serail“ oder der „Flamand“ in Richard Strauss‘ Oper „Capriccio“.

Leider kam es dann zum Eklat. Als Lippert nach einer Japan-Tournee heimkehrte, veranlasste ihn ein bis heute nur allzu bekannter Staatsopern-Direktor die Rolle des „Gesualdo“ in der gleichnamigen Oper von Alfred Schnittke zu übernehmen. Der - wie bereits erwähnt - lyrische Tenor Lippert entgegnete darauf nur, dass er keine Heldenpartien singen könne. Als das Argument beim Direktor auf taube Ohren stieß, weil dieser just seinen Willen durchsetzen wollte, verließ Lippert kurzerhand das Haus am Ring. Dass dies mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit nicht gerade „leise“ und „wortkarg“ vonstattenging, ist anzunehmen.

Der Karriere tat die darauffolgende „Pause“ an der Wiener Staatsoper keinen Abbruch. Europäische und internationale Engagements in Stuttgart, Köln, München, Hamburg, Berlin, London
(Royal Opera House Covent Garden) und last but not least die Mailänder Scala, markieren den weiteren beruflichen Werdegang des „Vielarbeiters“ (Anm: Eigendefinition).

Sein Debüt an der Volksoper Wien, feierte Lippert im Jahr 1991 in Mozarts „Zauberflöte“ und in Johann Strauß‘ Operette „Eine Nacht in Venedig“. Weitere Partien im Haus am Währinger Gürtel folgten ab 2007, als „Lyonel“ in Friedrich von Flotows romantisch-komischer Oper „Martha oder Der Markt zu Richmond“, als „Othmar Brandstetter“ in Ernst Kreneks Oper „Kehraus um St. Stephan“, als „Max“ in Carl Maria von Webers romantischer Oper „Der Freischütz“, als „Eisenstein“ in der „Fledermaus“ sowie als „Mathias Freudhofer“ in Wilhelm Kienzls Oper „Der Evangelimann“.

Parallel ist Lippert an der Wiener Staatsoper unter anderem in Richard Wagners Opern
„Tannhäuser“ und „Rheingold“ zu sehen. Aber auch Konzerte bilden einen fixen Bestandteil des Künstlers, der bereit mit Dirigenten wie Riccardo Muti, Franz Welser-Möst und Nikolaus Harnoncourt zusammengearbeitet hat.

Kein Wunder, dass der Oberösterreicher bald für einen Titel vorgeschlagen wurde. Als Lippert jedoch erfuhr, durch wen er die Ernennungsurkunde zum
„Kammersänger“ überreicht bekäme (Genau jener Staatsopern-Direktor, wegen dem er Jahre zuvor in Unfrieden das Haus am Ring verlassen hatte!), lehnte der nunmehrige zweifache Großvater ganz und gar nicht „opalike“ ab! Und da sind wir wieder bei meiner eingangs erwähnten Einleitung …!

Weniger mutig trat Lippert hingegen in einer Szene aus „Don Giovanni“ auf. Als die Künstlerin, welche die „Donna Anna“ zu singen hatte, über ihr eigenes, „ausladend“ geschneidertes Kostüm stürzte, und darauf wie ein Maikäfer vor Lippert zu liegen kam, weigerte sich dieser, der 160 kg schweren Partnerin aufzuhelfen. Na ja, vom Gewichtheben mit inkludierten Leistenbruch, stand auch nichts in den Regieanweisungen (Anm.d.Red.: Das haben wir schon gerne! Den ganzen Tag „nur“ singen, und dann abends keine zentnerschweren Frauen stemmen wollen!).

Privat ist der Vater von fünf Kindern, keineswegs der „Rambo“, für den man ihn jetzt vielleicht halten mag! Viel mehr ein „Perpetuum mobile“, den es wundert, dass er eineinhalb Stunden ruhig sitzen kann. Kraft tankt der absolut sympathische und bodenständige Künstler, gerne im Kreise seiner Familie. Und so haltet der Sänger lachend fest: „Jeden Sonntag tanzen’s an!“ Denn so wird im „Open House“ Lippert Familie zelebriert!

Was die Zukunft bringt? Eine Tournee über den halben Erdball. Gemeinsam mit
Franz Welser-Möst bestreitet Lippert als Interpret von Richard-Strauss-Liedern, Konzertabende - beginnend im Wiener Musikverein - mit vielen Stationen auf der ganzen Welt bis hin zur Carnegie Hall in New York.

Und so rauscht mein Gesprächspartner auch schon zur nächsten Probe ab. Zu dem Glas trockenem Weißwein, konnte ich den Mann, der den „Holländer“ so gar nicht mag, gerade noch überreden.
(pa)

Beitrag: Spielzeit 2011/2012

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