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Gräfin Mariza - UNISONO.co.at

Volksoper

„Jenseits des Doppeladlers“ oder „Die wundersame Vermehrung des Koloman Zsupán“

„Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“ (Anm.: 2. Brief des Paulus an die Thessalonicher.) Ein schönes Zitat aus der Heiligen Schrift, das auch bis ins 21. Jahrhundert nichts an Gültigkeit verloren haben sollte! Aber auch in der zerbrochenen Welt der Donaumonarchie hatte dieser Bibelspruch absolute Berechtigung. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs zerfiel der morsche Vielvölkerstaat in viele kleinere und größere Staaten. Was vom Doppeladler blieb, waren unzählige mittellose Uniformträger und verarmte Aristokraten. Und fast alle hatten nur ein Ziel: Reich heiraten!

Das weiß auch die attraktive „Gräfin Mariza“ (erstklassig Astrid Kessler) in Emmerich Kálmáns gleichnamiger Operette. Die hat aber keine Lust sich mit einem Schmarotzer zu verehelichen, der nur an ihrem Geld interessiert ist. Ungeachtet dessen versuchen allerhand umtriebige Männer, die Gunst der schönen Gräfin zu erlangen. Mariza hingegen hat zwecks Seelenruhe eine gefälschte Eheschließung mit einem „Baron Koloman Zsupán“ (genial komisch Boris Eder) bekanntgegeben. Dumm nur, dass dieser tatsächlich existiert und sich sofort daran macht seine „Braut“ zu umgarnen. Frei nach dem Motto „Eine Frau zu umwerben, ist wie die Zubereitung eines Steaks. Zuerst kurz und heftig anbraten und dann umdrehen!“, baggert Koloman Zsupán Mariza an (Besonders witzig dabei ist, dass er gleich mit einer kleinen Armee von Klonen vermehrt anrückt.).

Stiller Beobachter dieser Szenerie ist der verarmte „Graf Tassilo“ (sehr gut Carsten Süss), der auf dem gräflichen Gut Marizas als Verwalter angeheuert hat, und sich ehrlich für Mariza interessiert. Mariza selbst fühlt sich wohl in der Gegenwart des vermeintlich einfachen Angestellten, lässt aber ebenso gerne ihre Launen an ihm aus. Als Mariza aber von ihrer getürkten Verlobungsfeier auf ihrem Schloss „eingeholt“ wird, reicht es Tassilo. Dieser hat nämlich keinerlei Lust auf Kommando für seine Angebetete da zu sein oder gar zu singen. Als Tassilo daraufhin kündigt, besinnt sich die launische Gräfin und versöhnt sich mit Tassilo. Längst hat sie ihre Pläne Baron Zsupán zu heiraten verworfen. Dieser hat ebenfalls mehr Augen für die hübsche Schwester Tassilos (sehr gut Anita Götz als „Lisa“). Aber es wäre nicht die Welt der Operette, wenn nicht noch der eine oder andere Stolperstein auf dem Weg ins Glück lauern würde.

Anlässlich des 60. Todestages von Emmerich Kálmán und des 90. Jahrestages der Uraufführung, ist diese Neuinszenierung eine wunderbare Erweiterung des Spielplans der Volksoper Wien. Die elegant klassische Inszenierung dieser romantischen Liebesgeschichte durch Thomas Enzinger, kombiniert mit den traumhaft schönen Bühnenbildern von Toto sowie der geniale Einsatz von Sabine Wiesenbauers Lichttechnik, machen diese Produktion zu einem absoluten Highlight!

Astrid Kessler in der Titelrolle ist gesanglich und darstellerisch ein Geniestreich. Carsten Süss als verarmter aber ehrbarer „Graf Tassilo“, passt die Rolle gesanglich und schauspielerisch, wie auf den Leib geschneidert. Besonderes komödiantisches Talent beweist Boris Eder als „Baron Koloman Zsupán“, der sich nicht nur vervielfacht, sondern buchstäblich die Seele aus dem Leib spielt! Unbedingt erwähnenswert auch Anita Götz als Tassilos Schwester „Lisa“, welche gesanglich und darstellerisch sehr überzeugend ist.

Abgerundet wird die von Alexander Rumpf erstklassige dirigierte Produktion auch durch die vielen Supporting Acts, wie Toni Slama als „Fürst Populescu“, Nicolaus Hagg als „Karl Stephan Liebenberg“, Helga Papouschek als „Fürstin Bozena“ und einem an Witz nicht zu überbietenden Robert Meyer, welcher den Kammerdiener „Penizek“ gibt, und mit Anspielungen auf die derzeitige Misere am Wiener Burgtheater, die Lacher eindeutig auf seiner Seite hat.

Fazit: Ein Operetten-Spaß vom Feinsten, mit einem Ensemble in Top-Form und einem genialen Orchester, welches die „Gassenhauer“ dieses Werkes großartig spielt! Kurz und gut: Ein weiterer Schritt in Richtung „Perfect Game“ (Anm.: Begriff aus der Welt des Baseballs.). Oder vielleicht besser: Perfekte Spielzeit! (pa)

Premiere: Spielzeit 2013/2014

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