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Elisabeth Flechl - UNISONO.co.at

Zur Person

„Hello, Madam President!“

Der Schauplatz ist ein Kaffeehaus im 9. Bezirk von Wien. Das Lokal ist von Agenten des Secret Service abgeriegelt. Es wimmelt von Bodyguards und Scharfschützen, als eine Frau in Begleitung eines Leibwächters zum Gesprächstermin mit mir eilt. „Madam President“ nimmt neben mir Platz, während ich den Agenten, welcher zu ihrem Schutz abgestellt wurde, dazu überreden kann sich an der Bar mit einem Hopfenblütentee zu stärken.

Wäre dies ein Politthriller, würde jetzt irgendwer eine Pistole zücken. Stattdessen krame ich in meiner Aktenmappe und zücke Papier und Kugelschreiber, denn mein Gegenüber ist kein Staatsoberhaupt, sondern die neugewählte Vorsitzende der Solistenvereinigung der Volksoper Wien.
Elisabeth Flechl studierte an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien Blockflöte, Klavier und Gesang, und besitzt seit ihrer Sponsion (Diplomprüfung) das Lehramt für Musikerziehung und Instrumentalmusik.

Der lyrische Sopran ist der Musik bereits seit frühester Jugend verschrieben, und konnte schon Notenlesen, bevor sie des Lesens und Schreibens kundig war. Die in Niederösterreich wohnhafte Künstlerin - Flechl bewirtschaftet übrigens gemeinsam mit ihrem Bruder drei Weingärten - sang bereits als fünfjähriges Mädchen im Kinderchor und prolongierte ihre Liebe zum Gesang unter anderem im Hochschulkammerchor und dem Arnold-Schönberg-Chor, um nur einige zu nennen.

Die Preisträgerin des Bundeswettbewerbs „Jugend musiziert“ (1989) verfügt über ein breitgefächertes Repertoire im Oratorienberich. Eine rege Konzerttätigkeit übte die Künstlerin parallel zu ihrem Lehrauftrag am J. M. Hauer-Konservatorium aus, an dem sie vom 1991 bis 1999 unterrichtete.

Nach einem Vorsingen übernahm Flechl jene Rolle, welche ihr bis heute auf den Leib geschrieben ist: Die „Rosalinde“ in der „Fledermaus“. Diese Johann-Strauß-Produktion der Wiener Kammeroper aus dem Jahr 1998/99, führte dann auch prompt zu einem Japan-Gastspiel. Die weiteren gesungenen Partien der Künstlerin, lesen sich wie ein Querschnitt durch die Musikgeschichte. Ob nun als „Lisa“ in Lehárs Operette „Das Land des Lächelns“, als „Hanna Glawari“ in der „Lustigen Witwe“, als „Gräfin“ in Johann Strauß‘ Operette „Wiener Blut“ oder als „Angèle“ in der Richard-Heuberger-Operette „Der Opernball“ (2003 an der Volksoper Wien, Regie: Robert Herzl), überzeugt die Sängerin durch stimmliche und optische Schönheit sowie darstellerisches Talent und Bühnenpräsenz.

Seit der Spielzeit 2007/08 ist Elisabeth Flechl fixes Ensemblemitglied der Volksoper Wien. Auch im Haus am Währinger Gürtel ist sie dem Publikum durch eine Vielzahl von Opern- und Operettenpartien bekannt. Ein Bogen, der sich von der „Beatrice“ in Franz von Suppés Operette „Boccaccio“, der „Agathe“ in Carl Maria von Webers Oper „Der Freischütz“, der „Antonia“ in Jacques Offenbachs Oper „Hoffmanns Erzählungen“, der „Ersten Dame“ in Mozarts „Zauberflöte“, der „Echo“ in Richard Strauss‘ Oper „Ariadne auf Naxos“, der „Frau Fluth“ in Otto Nicolais Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“, der „Nedda“ in Ruggero Leoncavallos Oper „Der Bajazzo“ und - last but not least - natürlich bis hin zur „Rosalinde“ in der Operette „Die Fledermaus“ spannt.

Fragt man Flechl nach einem oder mehreren Lieblingspartner, antwortet die Künstlerin etwas ausführlicher: „Das schöne am Repertoire-Theater ist, dass man die selben Personen in unterschiedlichen Rollen und Situationen antrifft.“ Auf witzige Momente angesprochen, erinnert sich die Sängerin an ein „Briefduett“ mit Kollegin Jennifer O’Loughlin, wo Flechl einen Brief in italienischer Sprache diktierte, und O’Loughlin diesen in Deutsch wiederholte. Was keiner wusste war, dass Flechl um 17.45 Uhr von der Direktion der Volksoper angerufen wurde, um als „Figaro-Gräfin“ einzuspringen. Da die Künstlerin die Rolle nur in Italienisch einstudiert hatte, kam es am selben Abend zum multilingualen Duett.

Privat ist die Künstlerin, welche eine gute Köchin und gesellige Gastgeberin ist, mit einem Manager eines heimischen Energiekonzerns liiert. Diesen traf Flechl bei den Seefestspielen in Mörbisch, wo dieser statierte. Bei gemeinsamen Tanzszenen, sprang dann der Funke über. Seither sind die beiden unzertrennlich und besuchen regelmäßig eine Tanzschule im 7. Wiener Gemeindebezirk.

Als „Star“ empfindet sich die Künstlerin, die als Vorbild
Sena Jurinac nennt, in keinster Weise! Neben Nordic Walking zählen Schwimmen, der Urlaub in Griechenland und der griechische Volkstanz zu den Aktivitäten, denen Elisabeth Flechl in ihrer Freizeit gerne frönt. Dass diese äußerst komprimiert ist, verdeutlicht ihre neue Funktion als Vorsitzende der Solistenvereinigung der Volksoper Wien, welche Flechl seit Februar 2012 ausübt. Engagiert und mit hoher sozialer Kompetenz, setzt sich die Sängerin für die Belange der Mitglieder ein, und hat ständig neue und innovative Ideen.

In nächster Zukunft (Sommer 2012) sehen wir Flechl in ihrer „Paraderolle“ der „Rosalinde“, bei den Seefestspielen in Mörbisch. Ein Vergnügen, dass man sich einfach gönnen muss. Denn wann hat man schon die Gelegenheit, eine singende „Madam President“ auf der Bühne bewundern zu können? Bleibt nur zu hoffen, dass ihr „Leibwächter“ (Anm. d. Red.: Wir „lüften“ seine Identität in der nächsten Ausgabe!) auch künftig für Rückendeckung sorgt. Auch, wenn dieser nicht Kevin Costner heißt! (pa)

Beitrag: Spielzeit 2011/2012

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