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Die Zirkusprinzessin - UNISONO.co.at

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Leise schwebt das Glück vorüber - in Baden macht es Station.

Glanzvolle Premiere der Zirkusprinzessin von Emmerich Kálmán in der Badener Sommerarena.

Nachdem Emmerich Kálmán mit der 1924 uraufgeführten
„Gräfin Mariza“ einen durchschlagenden Erfolg errungen hatte, war es naheliegend, mit dem gleichen Librettisten-Duo (Julius Brammer und Alfred Grünwald) den Stoff für eine neue Operette zu suchen. In Anlehnung an eine Erzählung des englischen Romanautors Bulwer-Lytton war das Sujet für ein neues Werk bald gefunden. Nun hieß es, ein Libretto zu entwerfen und - ähnlich wie bei der „Mariza“ - die Bausteine für einen Operettenerfolg zurechtzuzimmern. Ein verarmter Adeliger, der unerkannt einen profanen Beruf ausübt, eine reiche Adelige, in die er sich verliebt und eine Reihe von Verwirrungen und Intrigen, die sich zum Schluss endlich alle in Wohlgefallen auflösen. Garniert wird die Handlung durch ein Buffopaar, das zwischendurch für heitere Szenen sorgt und so einen Kontrast zur dramatischen Haupthandlung bildet.

Am 26. März 1926 hob sich im Theater an der Wien der Vorhang zur Uraufführung von Kálmáns neuer Operette „Die Zirkusprinzessin“, die neben der „Csárdásfürstin“ und „Gräfin Mariza“ zu seinen größten Erfolgen wurde. Obwohl das Textbuch im Vergleich zu den früheren Werken etwas schwächer ausfiel, bezaubert der außergewöhnliche musikalische Reichtum dieses Werkes. Walzer und Csárdás sind ebenso vertreten wie Zirkusmusik und Foxtrott. Die englische Version der Operette wurde bereits am 25. April 1927 im Winter Garden Theatre in New York City erstaufgeführt.

Worum geht es also?

Die russische „Fürstin Fedora Palinski“ besucht den Zirkus Stanislawski in Petersburg, wo der geheimnisvolle „Mister X“ maskiert als tollkühner Zirkusreiter auftritt. Mit ihr kommt „Prinz Sergius“, der sie mit Heiratsanträgen überschüttet, von ihr aber mit den Worten zurückgewiesen wird, dass sie eher einen Zirkusreiter nehmen würde als ihn. Der Prinz schwört Rache und lädt Mister X zum Souper ein. Er veranlasst ihn, da als „Prinz Korosoff“ zu erscheinen und der Fedora den Hof zu machen. Das Vorhaben des Prinzen gelingt, und Mister X zieht beim Souper ohne Maske und im Frack Fedoras Interesse an sich.

Die beiden verlieben sich ineinander und der intrigante Prinz Sergius will nun seinen Racheplan vollenden. Um einer angeblich vom Zaren angeordneten Heirat zu entgehen rät ihr Sergius, sich schleunigst mit dem „Prinzen Korosoff“ zu trauen, um dem Befehl zuvorzukommen. Mit Freuden willigt sie ein. Als nun die Zirkusleute als Gratulanten auftreten, erfährt Fedora, dass sie einen Zirkusreiter geheiratet hat und wird dafür als „Zirkusprinzessin“ verlacht. Obwohl ihr Mister X seine aufrichtige Liebe beteuert und sich als „Fedja Palinski“, den Neffen des verstorbenen Fürsten Palinski, zu erkennen gibt, verlangt Fedora die sofortige Trennung.

Auch ein zweites Paar hat sich im Zirkus gefunden. Der junge Hotelierssohn „Toni Schlumberger“ aus Wien ist hergekommen, weil er die Kunstreiterin „Miss Mabel Gibson“ verehrt, die sich bei näherem Hinsehen als waschechte Wienerin entpuppt und von ihm dafür gleich geheiratet wird.

Nach all diesen dramatischen Verwirrungen beschließt nun ein amüsanter dritter Akt diese beliebte Kálmán-Operette.

Wieder zurück in Wien. Die Mama des Toni Schlumberger ist gar nicht begeistert, sie hatte ganz andere Vorstellungen von ihrer zukünftigen Schwiegertochter. Und trotzdem: Auch in dieser Operette gibt es ein Happy End. Tonis Mutter ist rasch versöhnt und auch für Mister X, der gerade in Wien gastiert, wendet sich alles zum Guten. Die Fürstin Fedora ist nach Wien gereist um ihren Gatten zu treffen. Ihre Liebe zu ihm ist schließlich doch stärker als ihr Stolz und beglückt schließt Fedja Palinski die verloren Geglaubte in seine Arme. Nur Prinz Sergius hat zu guter Letzt das Nachsehen.

Musikalische Highlights dieser an melodischen Einfällen so reichen Operette sind der langsame Walzer „Leise schwebt das Glück vorüber“, das Zirkusliedchen „Die kleinen Mäderln im Trikot“ sowie vor allem der populäre Schlager „Zwei Märchenaugen“. Es gibt kaum einen Tenor, der diese Arie noch nicht gesungen hat.

Hier in Baden sehen wir den 1975 in der Ukraine geborenen Tenor
Jevgenij Taruntsov als „Mister X“. Lediglich in zwei späteren Aufführungen wird Herr KS Reinthaller diese Partie übernehmen. Jevgenij Taruntsov, der bereits auf vielen internationalen Bühnen in den großen Tenorpartien von Puccini bis Verdi auftrat, sang auch 2012 und 2013 bei den Lehár-Festspielen in Bad Ischl. Er verkörpert diese Rolle mit Gesang und Spiel durchaus glaubwürdig und gab sogar als gelernter Klarinettist eine kurze Einlage mit diesem Instrument. Ab Jänner 2015 können wir Jevgenij Taruntsov auch in der Lehár-Operette „Paganini“ erleben.

In der Titelrolle erleben wir Nicola Brecht als „Fürstin Fedora Palinska“. Die in Wiesbaden geboren Sopranistin ist im deutschsprachigen Raum und auch in den USA mit breitgefächertem Repertoire künstlerisch tätig. Schon mit ihrem Auftrittslied begeisterte sie das Publikum und meistert souverän diese doch recht anspruchsvolle Partie.

Der verhinderte Liebhaber „Prinz Sergius“ ist
Peter Edelmann. Neben Engagements an vielen großen Opernhäusern von Amerika bis Japan kennen wir den in Wien geborenen Bariton ja auch von seinen Auftritten an der Wiener Staatsoper, der Wiener Volksoper und bei den Seefestspielen in Mörbisch. Außerdem unterrichtet er seit 2012 als Professor an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. Mit seiner noblen Erscheinung gibt er der undankbaren Rolle des Prinzen Profil und stellt damit einen ernst zu nehmenden Konkurrent um die Gunst der Fürstin dar.

Melanie Wurzer ist eine quirlige „Miss Mabel Gibson“ und Christoph Filler schlichtweg ein idealer „Toni Schlumberger“. Beide gewannen mit ihren schwungvoll vorgetragenen Duetten die Sympathien des Publikums und trugen wesentlich zum Erfolg des Abends bei.

Im 3. Akt sorgen Dany Sigel als „Mutter Schlumberger“ und Michael Mohapp als „Oberkellner Pelikan“ mit einer Reihe aktueller Anspielungen für den nötigen Humor. Nicht unerwähnt bleiben sollen Martin Fischerauer, Beppo Binder und Mario Fancovic in kleineren Rollen sowie das Ballett in der Choreografie von Michael Kropf, das mit einer Reihe von Tanzeinlagen die Handlung auflockert.

Und da wären wir schon bei der Regie von
Wolfgang Gratschmaier, den wir ja als fixes Ensemblemitglied der Wiener Volksoper in einer Unzahl von Rollen kennen. Er erzählt uns die Operette in leicht modernisiertem Gewand, ohne ihren Charme zu zerstören. Ein Extralob gebührt auch dem stimmigen Bühnenbild und den Kostümen von Ina Reuter. Oliver Ostermann, 1. Kapellmeister an der Bühne Baden, animierte das Orchester zur schwungvollen Darbietung der zündenden Kálmán-Melodien, wobei auch die poetischen Momente der Musik voll zur Geltung kamen.

So konnte auch das Regenwetter, das am Tage der Premiere herrschte, die Begeisterung des Publikums nicht trüben und den Erfolg der Aufführung nicht beeinträchtigen.
(zdi)

Beitrag: Juli 2014

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