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Das Wunderthater / Der Bajazzo - UNISONO.co.at

Volksoper

Von Pinocchio bis Bajazzo

Kennen Sie eigentlich den Witz von Pinocchio und der guten Fee? Als Pinocchio eines Tages durch den Wald geht, begegnet ihm die gute Fee. Diese schmeißt die Marionette auf den Rücken und setzt sich mit ihrem Schoß auf die Nase Pinocchios. Als sich die erste Überraschung der Holzpuppe gelegt hat, ruft die gute Fee lautstark aus: „Und nun lüg mal schön, Pinocchio!“ Keine Angst! Ich halte hier kein Plädoyer auf die erotische Neigung mancher Menschen, die sich dem Facesitting verschrieben haben! Was dieser Witz mit Hans Werner Henzes Oper „Das Wundertheater“ zu tun hat, erläutere ich später.

Die surreale Handlung über ein Wandertheater, das durch Spanien tingelt und seinem jeweiligen Publikum das größte Spektakel verspricht, welches es je gesehen habe, basiert auf einer literarischen Vorlage von Miguel de Cervantes. „Chanfalla“ (erstklassig Jörg Schneider), Direktor des Wundertheaters, verspricht seinen Zuschauern eine großmächtige Show. Die handelnden Akteure könnten aber nur von Menschen gesehen werden, welche gute Christen sind und ehelich gezeugt wären. Tatsächlich ist auf der Bühne niemand zu sehen. Nur der Direktor und seine Gefährtin „Chirinos“ (gesanglich und darstellerisch sehr gut Martina Dorak) erklären dem Publikum, was sie gerade sehen. Unterstützt werden die beiden von einem „Knirps“ mit Kontrabass (witzig Karl-Michael Ebner).

Das Ensemble und auch das Orchester der Volksoper Wien, demonstrieren einmal mehr, dass sie auch zeitgenössische Oper sehr gut umsetzen können. Auch ist die Story keinesfalls uninteressant! Was Henzes Musik angeht, werden die Geschmäcker sicher auseinandergehen. Dem einen wird es gefallen. Der andere wird danach ein Digestivum brauchen. Was mich betrifft, bin ich wieder bei meinem eingangs erzählten Witz angelangt. Gerne würde ich mich für diese Musik begeistern. Leider bin ich jedoch keine Holzpuppe, wie Pinocchio. Und gute Feen sind auch nie da, wenn man sie braucht!

Ein deutlicher musikalischer Kontrast zum Einakter von Henze, ist dagegen Ruggero Leoncavallos veristische Oper
„Der Bajazzo“. Das Drama um Liebe, Zurückweisung und Eifersucht in einer Theatertruppe, beinhaltet sicher einen der schönsten Ohrwürmer der Opernwelt: „Vesti la giubba“ bzw. „Ridi, pagliaccio“ (Deutsch: „Lache, Bajazzo“).

Als „Canio“ (Bajazzo) erleben wir Volksopern-Neuerwerbung Ray M. Wade Jr., welcher gesanglich und darstellerisch brilliert. Melba Ramos als „Nedda“ (Colombina), JunHo You als „Beppo“ (Harlekin) sowie Mathias Hausmann als „Silvio“, runden die Inszenierung von Thomas Schulte-Michels sehr gut ab. Morten Frank Larsen als „Tonio“ (Tadeo) schlägt sogar Purzelbäume und beweist erneut, wie wichtig auch körperliche Fitness auf der Bühne ist.

Fazit: Die etwas ungewöhnliche Konfiguration dieser beiden Opern, verpasst dem Zuschauer ein Wechselbad zwischen zeitgenössischer Fantasy und klassischer Oper. Die Tatsache, dass Leoncavallos Werk „Der Bajazzo“ in deutscher Sprache aufgeführt wird, schadet dem Stück in keinster Weise, sondern ermöglicht es auch dem der italienischen Sprache nichtkundigen Besucher, die Oper uneingeschränkt genießen zu können. (pa)

Premiere: Spielzeit 2011/2012

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