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Alfred Eschwe - UNISONO.co.at

Zur Person

Ein Gentleman mit Taktstock

Haben Sie sich eigentlich schon mal gefragt, wie es wäre eine Kutsche oder gar einen der berühmten Wiener Fiaker zu lenken? Sicher keine leichte Aufgabe, wenn man dann auch noch die anderen Verkehrsteilnehmer beachten muss! Ein Orchester zu dirigieren, ist ähnlich wie eine Kutsche zu fahren. Man lässt vieles geschehen, muss aber auch einmal die Zügel in die Hand nehmen. Kein Mensch kommt also auf die Idee, dem Mann auf dem Kutschbock für redundant zu halten. Warum tut man das aber des Öfteren bei Dirigenten?

Das ultimative Hilfsmittel eines Kutschers oder Fiakers ist die Peitsche. Wenn ein Pferd einmal nicht in die gewünschte Richtung will, wird sanft oder mittels Knallen nachgeholfen. Dem Dirigenten bleibt zum Zwecke der Richtungsweisung des Orchesters der Taktstock, der zwar weniger auf der Sitzfläche der einzelnen Musiker zu Bruch geht, aber umso häufiger in den Händen eines verzweifelten Maestros.

Alfred Eschwé ist ein Dirigent der besonderen Art. Der in Wien geborene Künstler bedient keines der Klischees, welche einem in den Sinn kommen, wenn man sich beispielsweise an Dirigenten, wie Karajan, Böhm & Co. erinnert. Er wirkt still und bescheiden in seinem Auftreten und ist einem von Anfang an sehr sympathisch.

Aber wie entsteht der Berufswunsch Dirigent zu werden? Eschwé, der bereits in jungen Jahren begann Klavier und etwas später Geige zu lernen, lächelt verschmitzt und meint, dass dies eine „Verzweiflungstat“ war, da seine Hände für die Karriere eines Pianisten zu klein wären. Er erzählt mir, dass seine Eltern selbst gar nicht so musikalisch gewesen seien, sondern die Musikbegeisterten in seiner Familie eine Generation davor waren. Die Großeltern mütterlicherseits waren Klavierfabrikanten
(Anm.: Laubenberger & Gloss), und von seiner Großmutter väterlicherseits erhielt Eschwé dann auch Klavierunterricht. Es folgte eine Ausbildung an der Musikschule in der Bräuhausgasse im fünften Wiener Gemeindebezirk (Anm.: Eschwés Schwester Elisabeth leitet diese übrigens heute.), Gymnasium und musikalische Studien am Konservatorium und an der Musikhochschule in Wien. Parallel zu seinem Studium rückte Eschwé auch noch zum Bundesheer ein, da es 1968 noch keine Möglichkeit gab Zivildienst zu leisten. Anders als bei vielen Musikern, war für Eschwé kein Platz bei der Gardemusik, da er „nur“ Geige und Klavier spielen konnte.

Nach Abschluss seiner Studien übernahm „der letzte Löwe“ (Anm. d. Red.: Alfred Eschwé hat am 22. August 19?? Geburtstag.) kürzere Engagements in Österreich, bevor er für sieben Jahre in Deutschland arbeitete. 1989 holte ihn Eberhard Waechter an die Wiener Volksoper, wo er das Publikum unter anderem mit Produktionen, wie „Martha oder Der Markt zu Richmond“ (Oper von Friedrich von Flotow), der Lehár-Operette „Der Graf von Luxemburg“, der „Lustigen Witwe“ (Operette, ebenfalls von Franz Lehár.), Mozarts Oper „Don Giovanni“, Carl Maria von Webers romantischer Oper „Der Freischütz“, Giuseppe Verdis „La Traviata“, Giacomo Puccinis Oper „Tosca“, Sergei Prokofjews Oper „Die Liebe zu den drei Orangen“, Carl Zellers Operette „Der Vogelhändler“ oder Franz Lehárs „Das Land des Lächelns“ als Dirigent begeisterte. In der Spielzeit 2012/2013 steht dann noch die Albert-Lortzing-Oper „Der Wildschütz“ auf der Agenda von Eschwé.

2005 debütierte Eschwé an der Wiener Staatsoper mit Mozarts „Zauberflöte“. In den weiteren Jahren übernahm er auch das Dirigat für Gaetano Donizettis Opera buffa „L’elisir d’amore“ (Deutsch: „Der Liebestrank“) oder das Ballett „Anna Karenina“ im Haus am Ring. Auch seine internationale Tätigkeit ist beachtlich! Ob an der Hamburgischen Staatsoper, im Teatro Regio in Turin, im Teatro Verdi in Triest oder dem Teatro Bellini in Catania, zieht es den Gentleman mit dem Taktstock immer wieder in die Ferne. Keinesfalls unerwähnt sollte seine Konzerttätigkeit bleiben. Ob mit den Wiener Symphonikern, den Niederösterreichischen Tonkünstlern, dem ORF-Symphonieorchester und dem Wiener Johann-Strauß-Orchester, reiste der „Dirigent ohne Machtgelüste“ (Anm. d. Red.: Eigendefinition.) bereits quer über den ganzen Erdball. Gemeinsam mit seiner Schwester Elisabeth Eschwé bildet er das „Wiener Klavierduo“, welches sich als Schwerpunkt der vierhändigen Klaviermusik annimmt und ebenfalls mit nationalen und internationalen Auftritten begeistert.

Zum Thema „Dirigenten“ hat Eschwé einiges zu erzählen.
„Die Zeiten, wo man vor einem Karl Böhm gezittert hat, wenn er grantig war sind vorbei. Auch sind die Dirigenten von heute viel besser ausgebildet und die Orchestermusiker viel selbstbewusster geworden“, erläutert mir Eschwé die Gegenwart des Dirigierens. Und er fährt weiter fort: „Eine meiner Aufgaben als Dirigent ist es, das Beste aus dem Orchester und dem Ensemble herauszuholen und sie zu Höchstleistungen zu animieren.“

Die Zusammenarbeit mit dem Orchester definiert der Maestro humorvoll nach einem Zitat eines seiner Lehrer: ‚Die wichtigste Aufgabe eines Dirigenten ist, das Orchester nicht zu stören!‘ Er selbst vergleicht sich dabei mit einem Kutscher, der einen ständigen Wechsel zwischen dem „Zulassen“ und dem „Zügeln“ abwägen muss. Was die Musik als Ausdrucksmittel betrifft, greift der Maestro dann schon mal in die Tasten, und vermittelt mir in beeindruckender Weise die unterschiedlichen Qualitäten eines „Adagio“ (Deutsch: langsam, ruhig) und eines „Crescendo“ (Deutsch: anwachsend). Sogar zu den Pausen (Anm. d. Red.: Analog zu den Notenwerten gibt es entsprechende Pausenwerte.) hat Eschwé den Bezugspunkt als Ausdrucksmittel der Musik. Wobei er mir erklärt, dass diese auch richtig gesetzt werden müssen.

Über sein Zusammenspiel mit den Sängern äußerte sich jüngst Elisabeth Flechl: „Weißt du, man kann bei dir eigentlich machen was man will, und ist trotzdem immer mit dir zusammen!“ Eschwé sieht darin die Bestätigung seiner Einstellung, dass ein Dirigent den Sängern kein Korsett anlegen darf. Ein weiterer Grund, weshalb er allseits sehr geschätzt wird. Auf seine Fähigkeit witzig moderieren zu können angesprochen, erinnert sich der Künstler an eine Verabschiedung nach einem seiner Konzerte: ‚In jedem Abschied schwingt die Furcht mit, dass man sich wiedersieht.‘ Ich habe diesbezüglich keinerlei Ängste und hoffe, ihn bald wieder am Pult stehen zu sehen. Das zwar nicht „Adagio“, dafür aber „ASAP“! As soon as possible! (pa)

Beitrag: Spielzeit 2012/2013

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