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Alexandra Reinprecht - UNISONO.co.at

Zur Person

Gewaschen und entpferdet

Es ist ein 37 Grad heißer Nachmittag im August, als ich mich mit einer der talentiertesten Sopranistinnen des Musiktheaters im legendären Schweizerhaus treffe. Alexandra Reinprecht, fixes Ensemblemitglied von Staats- und Volksoper, kommt gerade mit ihrer jüngeren Schwester Hanna von der „Pensionistenbetreuung“. Als ich sie erstaunt frage, was es damit auf sich hat, befinde ich mich auch schon im Interview. Die im Sternzeichen „Löwe“ geborene Künstlerin, betreut in ihrer Freizeit, die sich im Ruhestand befindlichen Pferde ihres Cousin und ihrer Tante, welche seit vielen Jahren und Jahrzehnten das Pferdekarussell im Wiener Prater betreiben.

Die junge Sängerin, welche aktuell die Rolle der „Hanna Glawari“ in Franz Lehárs Operette „Die lustige Witwe“ an der Wiener Volksoper singt, erweist sich im Gespräch als lustig, natürlich und beweist Bodenhaftung. Selbst ein Kind aus einem Künstlerhaushalt, hatte sie bereits in ganz jungen Jahren Kontakt zur Welt der Oper. Unbekümmert lief die kleine „Alex“ zwischen den Kulissen der Salzburger Festspiele rum. Später „musste“ sie Klavier lernen, obwohl ihr Gitarre viel lieber gewesen wäre. Als man ihr eine schöne Gesangsstimme attestierte, hatte Reinprecht dann auch ihre erste Partie als „Gretel“ in „Hänsel und Gretel“ im „Knappenhof“ in Perchtoldsdorf.

Da im elterlichen Haushalt Fernsehen nicht erlaubt war, sang Alexandra Reinprecht fleißig zu Schallplattenaufnahmen von „Traviata & Co.“ mit. Überkam sie aber die Lust aufs TV, schlich sie sich zu ihren Großeltern, um dort ihren Hunger nach der großen weiten Fernsehwelt zu stillen. Angesprochen auf ihre Schulausbildung, entgegnet mir die Absolventin einer Handelsakademie:
„Ich habe Steno gehasst! Ich fand es einfach nervig!“

Während ihres Gesangsstudiums in Triest, welches Reinprecht mit Vorzug abgeschlossen hat, debütierte sie als „Papagena“ im Teatro Verdi in Triest. Ihr erster Partner auf der Bühne war Björn Thor Kristenson. Es folgten eine Operetten-Tournee quer durchs Friaul und Venezien. Die ihr von Kollegen prophezeiten 70-mal Vorsingen, blieben Reinprecht erspart. Ganze drei Mal unterzog sie sich die „Sängerin aus Leidenschaft“ (Anm.: Eigendefinition) einem Casting. Ihr erstes Engagement in St. Gallen, wo sie Partien, wie die der „Gilda“ in „Rigoletto“, die „Marie“ in der „Regimentstochter“ oder die Rolle der „Adele“ in der „Fledermaus“ sang, demonstrierten bereits zum Beginn ihrer Karriere, die große Bandbreite der Künstlerin. Logische weitere Karrierestationen von Reinprecht, waren die Volksoper während der Direktion Berger, in der sie als „Martha“ ihr Debüt gab, und die Staatsoper, wo sie als „Antonia“ in „Hoffmanns Erzählungen“ debütierte.

Reinprecht versteht sich nicht als „Generalistin“, kann sich aber „Ausflüge“ ins Musical durchaus vorstellen. Gleichzeitig hält sie aber fest: „Ich liebe die Oper über alles!“ Frauen-Charaktere, die sich entwickeln, wie am Beispiel der „Rosalinde“ in der „Fledermaus“, mag sie, und begründet ihren Standpunkt damit, dass diese viel mehr Persönlichkeit und auch mehr zu erzählen hat. Ihre Lieblingspartie ist immer die, welche sie gerade spielt, und auf die Frage nach einem Lieblingsbühnenpartner, antwortet Reinprecht kurz: „Der Herbert Lippert ist sicher einer meiner liebsten Partner auf der Bühne! Stimmt das Gegenüber, macht die Arbeit Spaß!“

Angesprochen auf den oft zitierten „Spaßfaktor“ bei der Arbeit, betont Reinprecht, dass dieser unbedingt sein muss, aber man danach auch wieder genügend Profi sein muss, um wieder zur Ernsthaftigkeit zurückkehren zu können. Deftig kann es aber auch schon mal werden. Bei einer Aufführung der „Fledermaus“, hätte einer ihrer Bühnenpartner beim Anblick von Reinprechts Dekolleté, „Topfennockerln“ ausrufen müssen. Tatsächlich leistete sich der Kollege aber eine eigene „Größeneinschätzung“ und frohlockte bloß: „Germknödel!“ Dieser Art Anekdoten, erzählt mir Frau Reinprecht mit einem spitzbübischen Grinsen auf den Lippen, was uns kurzfristig auf den Pfad des Witzeerzählens führt. Ich halte mich bewusst zurück, merke aber an, über ein großes Repertoire schmutziger Witze zu verfügen. „Die Alex“ (Anm.: Alexandra Reinprecht) entgegnet darauf nur mit schelmenhaftem Grinsen: „Na, den Wettstreit tragen wir aber noch aus!“

Privat ist die Künstlerin - mit dem Blut spanischer Raubritter in den Adern (Anm.: Gerüchten zufolge) - seit fünf Jahren mit ihrem Lebensgefährten - einem Banker - glücklich verheiratet. Ihr gutes Aussehen hat der Sängerin auch schon eindeutige Angebote eingetragen. „Bei einem Urlaub in Tunesien, wollte mich ein Einheimischer gleich heiraten! Mein Mann meinte darauf nur: ‚So viele Pferde gibt es gar nicht!‘“ Alexandra Reinprecht blickt auf die Uhr und sagt lachend: „So, jetzt geht’s noch in den Supermarkt und zu meinem Vater. Da er allergisch auf Pferdehaare ist, habe ich mich vor unserem Gespräch extra gewaschen und entpferdet.“ Typisch Alex, denke ich mir. Eben ein absolut natürliches Wiener Mädel. Und was unseren Wettstreit im dreckige Witze erzählen angeht: Den tragen wir noch aus! Aber Achtung: Don’t mess with a joker! (pa)

Beitrag: Spielzeit 2011/2012

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